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Mein Studium an der TUCed – „Warum tust du dir das an?“

Immer wieder wurde ich das gefragt. Die meisten sahen wohl nur die Kosten und den mit dem Studium verbundenen Arbeitsaufwand. Mein Opa, der nach dem Krieg im Westen neu Fuß fassen musste, sagte immer: „Bildung ist das Einzige, das du mitnehmen kannst.“ Ich sah daher in der Möglichkeit nochmal zu studieren ganz andere Dinge als die Fragesteller: das Wissen, das ich erwerben konnte, die Erweiterung meines Horizonts, den das Studium mit sich brachte und die Investition in mich selbst. Natürlich war auch ich zu Beginn skeptisch, ob ich das alles neben meiner Berufstätigkeit schaffen würde. Zum Glück bestärkte mich aber mein Mann darin, es wenigstens zu versuchen. So bewarb ich mich also für das Master-Studium der integrativen Lerntherapie an der TUCed.

Warum die TUCed in Chemnitz? Hamburg wären doch viel näher gewesen?

In Deutschland gibt es derzeit drei Master-Studiengänge „Integrative Lerntherapie“. Zur Auswahl standen für mich daher Schwäbisch-Gmünd, Hamburg und Chemnitz, wobei an der Uni Schwäbisch-Gmünd auch die Möglichkeit bestand, das Studium in Potsdam zu absolvieren und die Studienveranstaltungen der Uni Hamburg abwechselnd in Hannover und Hamburg stattfanden. 

Beide Studiengänge wären für mich näher gewesen als Chemnitz. Trotzdem habe ich mich für die TUCed entschieden, weil dies der kompakteste Studiengang war. Die beiden anderen Studiengänge waren auf 3 Jahre, das Studium in Chemnitz nur auf 2 Jahre angelegt. Außerdem lag der Schwerpunkt der anderen Studiengänge auf der Fachdidaktik in Chemnitz auf dem Ressourcenmanagement im Kindes- und Jugendalter. Durch mein Lehramtsstudium und meine langjährige Tätigkeit als Lehrkraft verfügte ich bereits über solides Grundwissen im Unterricht mit Schülerinnen und Schülern. Darüber hinaus hatte ich schon zahlreiche Fortbildungen im Bereich der Lerntherapie besucht, so dass mir das kurze Studium sehr entgegen kam und ich den Schwerpunkt des Ressourcenmanagements für mich sehr viel passender fand.

Den Ausschlag gaben dann aber die Rückmeldungen anderer Studentinnen und die Tatsache, dass Frau Dr. Küspert als Dozentin für die beiden Vertiefungsseminare zu LRS und Rechenschwäche vorgesehen war. Sie hatte ich bereits in einem anderen Seminar kennen und schätzen gelernt.

Wie konntest du das neben deiner Berufstätigkeit schaffen?

Bevor ich mit dem Studium begonnen habe, hatte ich lange überlegt, ob ich das schaffen könnte. Mein Mann ermunterte mich schließlich, es zu versuchen. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich nach einem Semester eben wieder aufgehört und wäre um eine Erfahrung reicher gewesen. Es klappte aber tatsächlich sehr gut. Ich organisierte meinen Stundenplan so, dass ich freitags keine Lerntherapiekinder und so den Tag frei hatte. Denn etwa einmal im Monat fanden freitags und samstags Lehrveranstaltungen statt. Die übrigen freien Freitage nutzte ich zum Erledigen der anstehenden Hausarbeiten. 

Da ich mein Studium 2022 begann, starteten wir, noch unter Corona-Auflagen, komplett online und behielten dies bis zum Ende des Studiums bei. So entfielen für mich die vielen Fahrten nach Chemnitz und der Seminartag begann wirklich erst an dem jeweiligen Tag mit dem Einschalten des Computers, wenige Minuten vor Seminarbeginn. 

Ein großer Vorteil war auch, dass wir bereits im ersten Seminar dazu ermuntert wurden, die Hausarbeiten in Gruppen oder zumindest im Team zu bearbeiten. In meinem ersten Studium war ich davon wenig begeistert, jetzt erleichterte es mir die Arbeit aber enorm. Nicht nur, dass wir uns über Inhalte und Fragestellungen austauschen und Einsichten gewinnen konnten, vielmehr schaffte dies auch eine gewisse Verbindlichkeit. Jeder wollte sich an die Absprachen halten und zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Dinge vorbereitet haben, um den anderen nicht hängen zu lassen. Die wenigen Hausarbeiten, die ich alleine erledigen musste, weil der Dozent dies so wollte, fielen mir wesentlich schwerer.

War das nicht alles viel zu theoretisch?

Natürlich war es theoretisch, denn ich hatte mich ja für ein Studium und nicht für eine praktische Ausbildung entschieden. Aber genau das war es, was mir noch fehlte. Da ich bereits mehrere Jahre als Lerntherapeutin tätig war, war ich auf der Suche nach Theorie, die mir gebündelt und strukturiert vermittelt wurde. Die gezielte Beschäftigung mit der Theorie und die Vertiefung durch die Hausarbeiten war in der Regel sehr interessant und verschaffte mir neue Einsichten. 

In vielen Seminaren kam aber auch die Praxis nicht zu kurz. Die meisten Dozenten verknüpften die theoretisch vermittelten Ansätze mit praktischen Beispielen. Auch die Hausarbeiten hatten meist einen praktischen Anteil. So entwickelten wir eine Einheit zur Psychomotorik in der Lerntherapie, beschäftigten uns konkret mit Beratung von Lehrkräften, Eltern, aber auch Schülern, entwickelten eine Lerneinheit zur Förderung mathematischer Kompetenzen, erstellten eine Marktanalyse für unser Business, werteten Testergebnisse aus und leiteten daraus Fördermaßnahmen ab, erstellten einen Therapieplan und beschäftigten uns mit Materialien für die Legasthenie- und Dyskalkulietherapie.

So viele Online-Seminare! Fehlten da nicht die Gespräche mit den Kommilitonen?

In vielen Seminaren arbeiteten wir phasenweise auch in Gruppen und konnten uns dort austauschen. Natürlich fehlten die vielen Gespräche, die man sonst in den Pausen, beim Mittagessen oder an der Kaffebar geführt hätte. Diese mussten wir aktiv ersetzen, indem wir uns direkt vernetzten. Dazu waren die Lerngruppen bzw. Teams, in denen die Hausarbeiten gemeinsam geschrieben wurden, ideal. Zusätzlich richteten wir auch eine WhatsApp-Gruppe und einen regelmäßigen virtuellen Stammtisch ein, zu dem wir uns monatlich trafen.

Beim Schreiben der Abschlussarbeit organisierte ich mich mit anderen Studentinnen in einer Schreib-Gruppe. Wir trafen uns wöchentlich am Dienstagmorgen, um über unsere Fortschritte zu berichten, Fragen zu klären, uns gegenseitig Feedback zu geben und gemeinsam zu Schreiben. Ähnlich der Hausarbeitsgruppen schaffte dies eine Verbindlichkeit, die es einfacher machte, voranzukommen und sorgte zudem für einen guten Schub Motivation. So haben wir es alle geschafft, sehr gute Masterarbeiten zu schreiben und unser Studium zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Wo hilft dir das Studium denn jetzt in deiner Tätigkeit als Lerntherapeutin?

Ich war bereits vor dem Studium als Lehrtherapeutin tätig. Durch das Studium habe ich aber viele neue Erkenntnisse und Einsichten gewonnen. Viel neues theoretisches Wissen führte dazu, dass ich jetzt viel sicherer agieren kann. Ich bin selbstbewusster geworden im Umgang mit Eltern und Lehrkräften und kann durch das zusätzliche Wissen besser argumentieren und Lerntherapie bekannter machen. 

Meine Arbeit mit den Kindern ist vielfältiger geworden, da sich mein Blick geweitet hat. Ich berücksichtige jetzt viel mehr Aspekte, als es vorher der Fall war. Der therapeutische Bereich der Lerntherapie hat deutlich an Gewicht bekommen und der fachliche Bereich ist fundierter geplant. Habe ich mich früher überwiegend auf eine Methode bzw. ein Anschauungsmittel festgelegt, achte ich jetzt besser darauf, mit welchem Vorwissen das jeweilige Kind kommt und welches Programm bzw. welche Anschauungsmittel und Methoden jeweils am besten passen. 

In der Diagnostik verfüge ich jetzt über ein größeres Repertoire. Ich kann klarer einordnen, wo der jeweilige Schüler gerade steht und wo die Ursachen für die Schwierigkeiten liegen könnten. So kann ich die Therapie besser planen, als das früher der Fall war, was wiederum meinen Schülerinnen und Schülern zugutekommt.

Zu guter Letzt habe ich mein Netzwerk deutlich erweitern und viele neue Kontakte knüpfen können, auf die ich bei meiner Arbeit immer wieder zurückgreife. Wenn man selbstständig in eigener Praxis arbeitet, braucht es Kolleginnen, mit denen man sich immer mal wieder austauschen und bei Fragen rückversichern kann. Wenn du wissen willst, warum Venetzung den Unterschied macht, kannst du in meinem Blogartikel nachlesen.

Das berufsbegleitende Master-Studium „Integrative Lerntherapie“ an der TUCed war für mich die richtige Entscheidung und ich bin stolz darauf, es jetzt erfolgreich abgeschlossen zu haben!
Wenn du Fragen zum Studium hast, findest du weitere Antworten im Blogartikel von Susanne Seyfried 9 Fragen – 9 Antworten – Lerntherapie Studium an der TU Chemnitz. Auch Frau Dr. Götze von der TUCed berät dich sehr gerne.


Wenn du mehr von mir lesen möchtest, melde dich gerne zu meinem Newsletter an, den ich einmal wöchentlich versende.

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4 Kommentare

  1. Astrid Engel

    Liebe Sabine,
    ich kann gut verstehen, dass du dich für ein berufsbegleitendes Studium entschieden hast. Ich habe vor einigen Jahren auch ein Semester eines Masterstudiums absolviert – einfach so, weil mich das Thema interessiert hat.
    Je älter ich werde, umso mehr wird mir der Wert von Wissen und Bildung bewusst und umso mehr Freude habe ich daran.
    Dein Großvater hatte absolut recht – toll, dass er dir diese Erkenntnis mitgegeben hat.
    Liebe Grüße
    Astrid

  2. Pingback:KW17/2024: Alle TCS-Blogartikel - The Content Society

  3. Susanne Seyfried

    Ich bin sehr dankbar, dass du dich für das Studium an der Tuced entschieden hast. Das war der Startschuss für unseren noch engeren Austausch. Die Schreibtreffen waren wirklich ein absoluter Gewinn für alle, gemeinsam geht einfach vieles leichter.

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