Zuletzt bearbeitet am 1. Oktober 2026
„Nachteilsausgleich – davon habe ich schon gehört. Aber wie läuft das in der Schule ab?“
So oder ähnlich fragen mich Eltern immer wieder. Meistens haben sie den Begriff von einer anderen Mutter aufgeschnappt oder auf dem Elternabend gehört, und dann steht die Frage im Raum: Wie kommt mein Kind da ran, und was bringt ihm das?
Seit dem 1. August 2026 gibt es darauf für Niedersachsen erstmals eine belastbare Antwort. Nachteilsausgleich und Notenschutz stehen jetzt im Schulgesetz. Gemeinsam schauen wir genau hin, was das für dein Kind heißt.
Achtung! Bevor du weiterliest:
In Niedersachsen gilt seit dem 01.08.26 ein neues Schulgesetz. Die entsprechende Verordnung liegt bisher nur im Entwurf vor. Was du hier im Blogartikel zur Verordnung liest, ist also noch vorläufig und setzt voraus, dass keine wesentlichen Veränderungen mehr vorgenommen werden.
Damit kein rechtsfreier Raum entsteht, hat die Landesschulbehörde Braunschweig ihre Schulen angewiesen, die Verordnung in der Entwurfsfassung vorläufig anzuwenden, bis die endgültige Fassung veröffentlicht wird.
Nachteilsausgleich bei LRS und Rechenschwäche – das gilt in Niedersachsen
Seit dem 1. August 2026 sind Nachteilsausgleich und Notenschutz im Schulgesetz geregelt (§ 58a NSchG). Die zugehörige Verordnung liegt bisher nur als Entwurf vor.
Nachteilsausgleich heißt: gleiche Anforderungen, andere Bedingungen. Mehr Zeit, Vorlesen der Aufgaben, weniger Aufgaben, Prüfung im Einzelsetting – möglich ist vieles. Einen Anspruch auf eine bestimmte Maßnahme gibt es aber nicht. Dafür musst du keinen Antrag stellen und kein Gutachten vorlegen.
Notenschutz heißt: es wird anders bewertet. Dafür brauchst du einen schriftlichen Antrag, ab Klasse 5 zusätzlich ein ärztliches Gutachten. Bei einer Rechenstörung ist Notenschutz nur bis zum Ende der 4. Klasse möglich.
Der Nachteilsausgleich steht nicht im Zeugnis, der Notenschutz schon.
Was ist ein Nachteilsausgleich? Was ist Notenschutz?
Ein Nachteilsausgleich ist eine schulische Maßnahme, die darauf abzielt, bestehende Nachteile auszugleichen. Schülerinnen und Schüler mit Lernbeeinträchtigungen sollen so ihr Wissen abrufen und Lernziele erreichen können. Oder anders:
„Als Nachteilsausgleich gilt die Anpassung der äußeren Bedingungen für das Erstellen einer Leistung als Kompensation für eine vorliegende Beeinträchtigung“ (NIBIS, 2023).
Dabei werden die Prüfungsbedingungen so angepasst, dass Nachteile ausgeglichen werden, das fachliche Anforderungsniveau aber trotzdem bestehen bleibt. Schülerinnen und Schüler mit einem Nachteilsausgleich müssen also Leistung auf dem gleichen Niveau zeigen, wie ihre Mitschüler.
Wird von diesem gleichen Anforderungsniveau abgewichen, handelt es sich um Notenschutz. In diesem Fall wird in einem Fach oder in einem fachlichen Bereich (z.B. die Rechtschreibung) die Benotung ausgesetzt.
Schulrechtliche Grundlagen
Der Nachteilsausgleich war in Niedersachsen bisher über einen Erlass aus dem Jahr 2005 geregelt. Dieser war zwar schon seit 2012 abgelaufen, wurde aber weiter angewandt. Der Erlass war zwar innerhalb der Schule bindend, hatte aber eher den Charakter einer Empfehlung. Da ein Erlass außerhalb der entsprechenden Behörde keine Relevanz hat, bestand damit kein Rechtsanspruch auf Nachteilsausgleich.
Das hat sich mit dem neuen Schulgesetz geändert: Seit dem 1. August 2026 sind Nachteilsausgleich und Notenschutz per Schulgesetz in Niedersachsen geregelt. Damit besteht jetzt erstmals eine rechtliche Grundlage, auf die du dich berufen kannst, wenn dein Kind Lernschwierigkeiten hat.
In einer Verordnung zum Nachteilsausgleich und Notenschutz wird das Gesetz weiter ausgeführt, z. B. werden darin das konkrete Vorgehen, das Verfahren und welche Nachweise erforderlich sind, geregelt. Die Verordnung liegt zum jetzigen Zeitpunkt nur in der Entwurfsfassung vor (die Anhörungsfrist endete am 21. Juli 2026).
Nachteilsausgleich
Das ist die rechtliche Grundlage
Absatz (1) § 58a NSchG regelt, dass Schülerinnen und Schüler einen Nachteilsausgleich bekommen können, wenn ihre Beeinträchtigungen sie daran hindern, ihr tatsächliches Leistungsvermögen zu zeigen. Voraussetzung ist, dass die vorgenommenen Anpassungen das fachliche Anforderungsniveau der Prüfungsbedingungen wahren, d.h. dass die Leistungsanforderungen denen der Mitschüler vergleichbar sind. Leistungsnachweise müssen also nicht identisch sein, sondern vielmehr Leistung auf einem vergleichbaren Niveau abfragen.
In der Verordnung (Entwurf) werden die Voraussetzungen für die Gewährung des Nachteilsausgleichs weiter ausgeführt. Einen Nachteilsausgleich erhalten in Niedersachsen demnach Schülerinnen und Schüler, die „stark ausgeprägte Beeinträchtigungen im Lesen, Rechtschreiben und/oder Rechnen“ zeigen. Darüber hinaus werden auch Autismus-Spektrum-Störung, ADHS oder psychische Beeinträchtigungen genannt.
Mögliche Maßnahmen
Folgende Hilfen werden in der Verordnung explizit genannt:
- Zeitzuschlag – ganz klassisch und meist das erste (und einzige) was viele Schulen umsetzen
- methodisch-didaktische Hilfen, z.B. das Vorlesen der Aufgaben oder Aufgaben anders zu gestalten
- das Ersetzen von schriftlichen durch mündliche Leistungsnachweise und umgekehrt
- praktische Leistungsnachweise
- Nutzung von technischen Hilfsmitteln – da bin ich gespannt, was hier praktisch umgesetzt werden wird. Ist die Nutzung der Rechtschreibprüfung in Word z.B. ein technisches Hilfsmittel? Wie sieht es mit dem Einsatz von Vorlesestiften aus?
- Ermöglichen einer störungsfreien Umgebung – das ist ein größeres Thema, weil immer auch die Frage der Aufsichtspflicht mitspielt
- zusätzliche Pausen
- größere Exaktheitstoleranz, z.B. beim Schriftbild – das dürfte für einige meiner Schüler interessant sein. Ich hatte nämlich schon Schüler, die hatten das Wort richtig geschrieben, aber Punkte abgezogen bekommen, weil es nicht „schön“ in die Linien geschrieben war!
- eine Schreibassistenz oder zusätzliche technische Hilfsmittel – demnach könnten Schüler mit Rechtschreibschwierigkeiten Antworten auch diktieren
- quantitative Reduzierung von Aufgaben, ohne dabei vom Anforderungsprofil abzuweichen – ich stelle mir dabei vor, dass in Mathe z.B. nicht 10 Aufgaben eines Typs gerechnet werden müssen, sondern 5 reichen, um nachzuweisen, dass man das Niveau erreicht hat
- Prüfung im Einzelsetting
- längere Vorbereitungszeit für mündliche Prüfungen
Verfahren und Zuständigkeit
Im täglichen Unterricht entscheiden Lehrkräfte im Rahmen ihres pädagogischen Ermessens, wie sie ihre Schüler am besten individuell unterstützen können. Reicht das nicht aus, kann im Rahmen von Leistungsnachweisen oder Prüfungen ein Nachteilsausgleich gewährt werden, sofern die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.
Wichtig zu wissen ist, dass ein Antrag von dir als Elternteil oder ärztliche Gutachten, die eine LRS oder Rechenstörung bestätigen, nicht erforderlich sind. Liegt ein medizinisches Gutachten aber vor, wird das in die Entscheidung mit einbezogen. Die Empfehlungen im Gutachten sind für die Schule aber nicht bindend.
Die Klassenkonferenz (bei Abschlussprüfungen die Prüfungskommission) entscheidet dann, welche Maßnahmen individuell sinnvoll sind. Diese Entscheidung ist den Erziehungsberechtigten „rechtzeitig und umfassend“ mitzuteilen – was damit gemeint ist, ist unklar, deshalb lass es dir am besten schriftlich geben. Die Maßnahmen müssen natürlich regelmäßig evaluiert und entsprechend angepasst werden.
Art und Umfang des Nachteilsausgleichs dürfen nicht im Zeugnis vermerkt werden, weil ein Nachteilsausgleich lediglich die bestehenden Nachteile ausgleichen soll.
Das ist noch interessant
- Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 22. November 2023 besteht ein verfassungsrechtlicher Anspruch auf Nachteilsausgleich. Die Schule darf also einen Nachteilsausgleich nicht verwehren. Auch dass die Gewährung des Nachteilsausgleichs an bestimmte Bedingungen geknüpft wird, ist schulrechtlich nicht vorgesehen. Manche Schulen knüpften das in der Vergangenheit nämlich an die Teilnahme am schulischen Förderunterricht oder gewährten einen Notenschutz nur für die Dauer einer externen Lerntherapie.
- Art und Umfang des Nachteilsausgleichs werden durch die Schule individuell festgelegt. Dabei muss auch berücksichtigt werden, welche Maßnahmen die Schule im Rahmen ihrer Möglichkeiten umsetzen kann. In den Erläuterungen zur Einführung und Änderung schulrechtlicher Verordnungen zum Nachteilsausgleich und Notenschutz wird deutlich gemacht, dass kein Anspruch auf die Umsetzung einer bestimmten Maßnahme besteht. Entscheidend ist die individuelle Situation des Schülers und die Ressourcen, die der jeweiligen Schule zur Verfügung stehen.
- Wichtig ist außerdem, dass der Nachteilsausgleich ausgeschlossen ist, wenn er die Leistung betrifft, die abgefragt werden soll. Ich gehe davon aus, dass damit gemeint ist, dass es in einem Leseverständnistest nicht zulässig ist, sich den Text vorlesen zu lassen.
- Ein Nachteilsausgleich kann darüber hinaus nur Schülern gewährt werden, die einen Abschluss anstreben und zielgleich unterrichtet werden. Schüler mit dem Förderbedarf Lernen erhalten erst dann einen Nachteilsausgleich, wenn sie in die 10. Klasse versetzt wurden und den Hauptschulabschluss anstreben.
- Unabhängig von einem möglichen Nachteilsausgleich (der die Leistungsnachweise und Prüfungen betrifft) ist die individuelle Unterstützung Aufgabe der Lehrkraft. Die Differenzierung im Unterricht bleibt daher wesentliche Grundlage, um alle Schülerinnen und Schüler individuell zu unterstützen. Interessant finde ich hier die Punkte 8 und 10. Demnach ist es zulässig „bei den Hausaufgaben unter Berücksichtigung der schulformspezifischen Anforderungen zu differenzieren“ und „Vereinbarungen zu Bearbeitungszeit und -umfang, auch bezüglich der Hausaufgaben zu treffen“. Ich vermute mal, dass ich mich in Zukunft öfter mal auf diese Punkte berufen werde.
Abgrenzung zum Notenschutz
Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen sind zielgleich zu unterrichten, d.h. sie erhalten dieselben Aufgaben wie alle anderen Schüler und müssen die gleichen Ziele erreichen. Gelingt das nicht, kann von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsbewertung abgewichen werden (Notenschutz). Schülerinnen und Schüler können dann an ihren Leistungsstand angepasste Aufgaben erhalten.
Das ist die rechtliche Grundlage
Absatz (2) § 58a NSchG regelt die Gewährung von Notenschutz. In diesem Fall wird von der Bewertung „in einzelnen Fächern oder von abgrenzbaren fachlichen Anforderungen“ in Leistungsnachweisen abgesehen. Dies ist möglich, wenn z.B. eine Lese-Rechtschreibstörung vorliegt.
Eine weitere Voraussetzung ist, dass der gewährte Nachteilsausgleich nicht so wirkt, dass die Leistungen oder Teilleistungen erbracht werden können. Hier wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Leistungen auch durch eine vergleichbare Leistung ersetzt werden können. Erst, wenn dies nicht möglich ist, ist laut Schulgesetz die Gewährung von Notenschutz möglich.
Die Rechenstörung wird im Schulgesetz nur in einer Fußnote aufgegriffen: ein Notenschutz ist nur bis zum Ende der 4. Klasse möglich – also keine Veränderung zur bisherigen Regelung.
Laut Verordnung (Entwurf) kann bei einer LRS z.B. auf die Bewertung der Rechtschreibleistung verzichtet werden und das bis zum Abitur. Der Verzicht auf die Bewertung der Leseleistung ist dagegen nur in den Schuljahrgängen 3 und 4 zulässig. In Mathematik kann in der Grundschule in schriftlichen Lernkontrollen auf die Bewertung einzelner Kompetenzbereiche verzichtet werden.
Verfahren und Zuständigkeit
Um Notenschutz für dein Kind zu bekommen, musst du einen (schriftlichen) Antrag stellen. Ab der 5. Klasse musst du zusätzlich ein ärztliches Gutachten vorlegen. Möglich ist auch die Vorlage eines Bescheids der Eingliederungshilfe (bei Beantragung der Kostenübernahme einer Lerntherapie über das Jugendamt) oder eines Fördergutachtens zur Feststellung sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs, wenn daraus „Art und Umfang der Störung“ hervorgehen.
Die Klassenkonferenz (oder die Prüfungskommission bei Abschlussprüfungen) entscheidet dann über deinen Antrag. Dazu können auch ärztliche Stellungnahmen oder Einschätzungen der Jugendhilfe einbezogen werden.
Die Gewährung von Notenschutz wird in Art und Umfang auf dem Zeugnis vermerkt, nicht jedoch die Beeinträchtigung, weshalb ein Notenschutz gewährt wurde.
Das ist noch interessant
- Durch den Notenschutz wird von den allgemeinen Grundsätzen der Leistungsbewertung abgewichen, indem Teilleistungen nicht bewertet oder gar nicht erst abgefragt werden. Auch eine geringere Gewichtung einzelner Teilnachweise wäre möglich.
- Wie auch der Nachteilsausgleich wird Notenschutz nur Schülern gewährt, die einen Abschluss anstreben. Für Schüler mit Förderbedarf Lernen erst in der 10. Klasse, wenn sie auf den Hauptschulabschluss hinarbeiten.
- Erfolgt ein Schulwechsel, ist es Aufgabe der neuen Schule zu prüfen, ob Nachteilsausgleich oder Notenschutz erforderlich sind.
- Bei einer Rechtschreibstörung ist der Notenschutz übrigens nicht auf das Fach Deutsch begrenzt, sondern gilt für alle Fächer. Damit darf es auch in Biologie oder Geschichte keinen Punktabzug aufgrund der Rechtschreibung geben. Dies gilt auch in der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung.
- Im Primarbereich wird auf die Vorlage medizinischer Gutachten verzichtet, damit keine wertvolle Zeit verloren geht, um Schüler angemessen zu unterstützen. Du solltest dich aber rechtzeitig um einen Termin beim Kinder- und Jugendpsychologen kümmern, wenn du denkst, dass ein Notenschutz im Bereich LRS für euch auch in der Sekundarstufe wichtig wäre.
- Da der Notenschutz auf dem Zeugnis vermerkt wird, ist es auch möglich, auf einen bewilligten Notenschutz wieder zu verzichten. Dazu musst du den Verzicht „innerhalb der ersten Wochen“ nach Beginn eines neuen Schuljahres erklären.
Du möchtest dich auf das Gespräch mit der Schule gezielt vorbereiten? Dann lade dir hier meinen Eltern-Guide Speak up – Nachteilsausgleich verstehen, ansprechen, gemeinsam umsetzen für 0 € herunter.

Mögliche Umsetzungsmöglichkeiten – Praxisbeispiele verschiedener Schulen aus Niedersachsen
Nachteilsausgleich in der Praxis: So unterstützen Schulen in Niedersachsen
Alle Beispiele, die du hier findest, stammen noch aus der Zeit des alten Erlasses. Unterstützung war damals eine Einzelfallentscheidung, die die Schule nach pädagogischem Ermessen getroffen hat. Viele Lehrkräfte waren unsicher oder im Kollegium uneins, wie weit sie gehen dürfen, ohne ein Kind bei der Benotung zu bevorzugen. Dazu kam die Frage, ab wann vor dem Abschlusszeugnis wieder ganz normal bewertet werden muss. Wer das nicht sicher beantworten konnte, hat von der Regelung lieber gar keinen Gebrauch gemacht.
Trotzdem habe ich in den vergangenen Jahren eine Menge Schulen erlebt, die für ihre Schüler einen Weg gefunden haben. Vieles davon steht inzwischen schwarz auf weiß in der Verordnung: der Zeitzuschlag, das Vorlesen der Aufgaben, die größere Toleranz beim Schriftbild. Was diese Lehrkräfte damals aus eigener Überzeugung gemacht haben, hat heute eine rechtliche Grundlage.
Eine ganze Reihe von Möglichkeiten für Kinder mit LRS haben wir im Lerntherapeutennetzwerk gesammelt und auf Kärtchen zum Ausdrucken bereitgestellt. Nimm sie dir gerne mit ins nächste Gespräch mit der Lehrkraft.
Ein paar Beispiele, wie meine Schüler in ihren Schulen unterstützt werden, stelle ich dir hier kurz vor. Wie die Schulen das unter dem neuen Schulgesetz weiterführen, darauf bin ich gespannt.
zusätzliche Bearbeitungszeit, ruhiger Arbeitsort
Die meisten meiner Schüler mit Lernschwierigkeiten erhalten bei schriftlichen Arbeiten zusätzliche Bearbeitungszeit. Diese reicht von zusätzlicher Zeit am selben Tag bis hin zur Weiterarbeit an der Klassenarbeit am nächsten Tag. An der Schule meiner Kollegin Pia Meyer, jetzt in Hessen tätig, kommt dies allen Schülern zugute. Bei Aufsätzen besteht am zweiten Tag die Möglichkeit der Überarbeitung und Überprüfung der Rechtschreibung.
An vielen Schulen besteht auch die Möglichkeit, die Arbeit in einem ruhigen Raum zu schreiben, so dass weniger Ablenkung besteht.
Einsatz des C-Pen-Lesestifts, 4. Klasse
Der Schüler darf den Vorlesestift (selbst angeschafft) zum Lesen von Texten, auch Aufgabenstellungen, im Unterricht verwenden. Dazu verwendet er Kopfhörer. So gelingt es ihm, Aufgaben in der vorgesehenen Zeit zu bearbeiten.
Angepasste Darstellung bei Lesetests, 4. Klasse
Der Schüler erhält den Lesetext in Silbenschrift. Die Fragen zum Text sind den jeweiligen Absätzen zugeordnet. So kann der Schüler den Text abschnittsweise lesen und die Fragen beantworten und hat am Ende der Zeit wenigstens einen Teil des Textes bearbeiten können.
Mündliche Beantwortung von Fragen, 5. Klasse
In schriftlichen Arbeiten (z.B. in Naturwissenschaften) darf der Schüler längere Antworten in ein Aufnahmegerät aussprechen. Schließlich soll hier das Wissen des Schülers abgeprägt werden und nicht seine Schreibfähigkeit.
Anpassungen im Fach Englisch, 5. Klasse
Statt alle Vokabeln der Unit schriftlich üben zu müssen, stellt die Lehrkraft eine Auswahl zusammen. Diese muss der Schüler in Tests auch schreiben können. Alle anderen Vokabeln muss der Schüler nur mündlich lernen. Im Test zählt das Wort dann richtig, wenn es lauttreu geschrieben ist.
Notenschutz in Mathematik, 4. Klasse
Die Schülerin erhält angepasste Aufgaben. Ihrem Leistungsstand entsprechend rechnet sie im Zahlenraum bis 100. Bei Themen aus dem Bereich Geometrie oder Zufall und Wahrscheinlichkeit arbeitet sie mit der Klasse an den gleichen Aufgaben.
Einsatz eines I-Pads, 5. Klasse
Der Schüler, mit großen Schwierigkeiten im handschriftlichen Schreiben, darf seine Texte mit Tastatur in sein I-Pad eintippen und die Texte anschließend ausdrucken.
Digitale Heftführung, 6. Klasse
Der Schüler darf seine Mappen digital führen und Texte per Tastatur eingeben. So muss er sich nicht auf das handschriftliche Schreiben konzentrieren und seine Ergebnisse sind für ihn selbst und für andere lesbar.
Beispiel meiner Kollegin Stefanie Schmidt aus Wunstorf
Mitarbeit im Unterricht:
- Gewährung zusätzlicher Arbeitszeit
- Spezifisch gestaltete Aufgabenstellungen (Reduzierung des Textumfanges/ Vorentlastung)
- Spezielle Organisation des Lern- und Arbeitsplatzes (Gehörschutz/ Einzeltisch)
- Individuelle Anpassung der Hausaufgaben (Vorentlastung / zeitlichen Umfang einhalten)
- Größere Exaktheitstoleranz (z.B. beim Schriftbild)
- Gezielte individuelle Zuwendungen
Schriftliche Prüfungen:
- Zeitzuschlag bis max. zur Hälfte der regulären Bearbeitungszeit
- Vorlesen von Aufgabenstellungen
- Testung in mündlicher Form, statt in schriftlicher
- Vorlesen/ Lautes Lesen des Geschriebenen
- Vergrößern des Arbeitsmaterials
- Komplexe Aufgabenstellungen in Teilaufgaben zerlegen
- Gezielte individuelle Zuwendung
- Größere Exaktheitstoleranz (z.B. beim Schriftbild)
Weitere Empfehlungen:
- Weiterhin Lesen und Lesesinnverständnis trainieren
- Weiterhin Durchgliedern einzelner Wörter, Fehleranalyse trainieren (Rechtschreibstrategien)
- Weiterhin Schriftbild trainieren (Lineatur mit 4 Linien)
Weiterhin positive Rückmeldungen geben, Selbstwertgefühl stärken.
Was gilt in den anderen Bundesländern / Österreich?
Sammlung aller Erlasse aus den einzelnen Bundesländern von LegaKids
Baden-Württemberg
Der Nachteilsausgleich bei Legasthenie und Dyskalkulie unter der Lupe – Susanne Seyfried
Bayern
Nachteilsausgleich und Notenschutz in Bayern – Michaela Zieglmeier
Brandenburg
Nachteilsausgleich für Kinder mit LRS oder Rechenschwäche in Brandenburg – Tanja Schikofsky
Hessen
Nachteilsausgleich bei einer LRS und Rechenschwäche in Hessen – Pia Fest
Rheinland-Pfalz
Nachteilsausgleich für Kinder mit LRS oder Rechenschwäche in Rheinland-Pfalz – Jutta Sitzmann-Kerber
Sachsen
Nachteilsausgleich bei Teilleistungsstörungen in Sachsen – eine faire Sache? – Bettina Häntsch
Österreich
Nachteilsausgleich und Notenschutz in Österreich – LernArt Ute Temel
Bundesministerium Bildung, Wissenschaft und Forschung: Der schulische Umgang mit Lese- / Rechtschreibschwierigkeiten
Bundesministerium Bildung, Wissenschaft und Forschung: Der schulische Umgang mit Rechenschwierigkeiten
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Wenn das neue Schulgesetz vorerst nur als Entwurf vorliegt, wann können sich Eltern darauf berufen?
Das neue Schulgesetz gilt seit 01.08.2026. Lediglich die Verordnung, die das Gesetz weiter ausführt, befindet sich noch im Entwurfsstadium. Eltern können sich also auf das neue Schulgesetz berufen.
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