Eigentlich wollte ich mir dieses Jahr kein Motto geben. Ich habe die letzten zwei Jahre jeweils ein Motto gehabt (mein Motto 2024 und mein Motto 2025). Aber auch wenn beide gut klangen, fühlten sie sich nie ganz nach mir an. Vielleicht waren es zu viele Worte. Also dachte ich: Dieses Jahr bleibe ich einfach ohne Motto.
Dann schickte mir meine Kollegin Nicole Gerbatsch den Aufruf zur Blogparade von Korina Dielschneider: Welches Wort trägt dich 2026? Und plötzlich begann mein Kopf zu arbeiten. Nicht, weil ich unbedingt ein Wort brauchte, sondern weil die Frage hängen blieb. Welches Wort trägt mich? Was soll 2026 leiten – in meinem Denken, in meinem Arbeiten, in meinen Entscheidungen?
Ziemlich schnell erschien das Wort Fokus. Ich habe ein wenig damit gespielt und das Wort in Kontext eingebunden: Fokus stärkt, Im Fokus, Fokus first, Einfach.Fokussiert. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass ich keinen Zusatz brauche. Fokus reicht. Das ist für mich kraftvoll und passt. Vielleicht passt ein einzelnes Wort tatsächlich besser zu mir als ein ausformulierter Mottosatz? Ganz klar, reduziert und gleichzeitig offen genug, um sich in verschiedene Bereiche meines Lebens einzubinden. Ob es mich wirklicht trägt? Ich werde es ausprobieren. Was Fokus konkret für mein Arbeiten, mein Angebot und meine Haltung bedeutet, das möchte ich in diesem Artikel festhalten.
Fokus schafft Klarheit
Zu Beginn des Jahres habe ich mir bewusst die Frage gestellt: Wie möchte ich 2026 arbeiten? Fokus heißt für mich, bewusst zu entscheiden, wofür ich stehe und wofür ich meine Energie einsetze.
In den vergangenen Jahren habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, den Wert meiner Arbeit nicht nur innerlich zu kennen, sondern auch nach außen klar zu vertreten. Deshalb blogge ich und grenze mich klar ab, denn meine Arbeit ist keine „Nachhilfe nebenher“. Sie ist fundierte Lerntherapie. Sie ist mit mir gewachsen aus zehn Jahren Praxiserfahrung, aus vielen Jahren im Schuldienst (warum ich ausgestiegen bin), aus Fortbildungen, Supervisionen und meinem Masterstudium.
Fokus bedeutet deshalb auch, meinen beruflichen Weg ernst zu nehmen. Und dazu gehört, meine Preise auf einer realistischen und tragfähigen Grundlage zu berechnen. Natürlich wünsche ich mir mehr Unterstützung für Familien und strukturelle Lösungen im Bildungssystem, und es wäre toll, wenn Lerntherapie für Eltern kostenlos wäre. Gleichzeitig weiß ich aber, wenn ich langfristig gute Arbeit leisten möchte, braucht es stabile Rahmenbedingungen für meine Praxis und für mich. Deshalb schaffe ich Transparenz: Wer mit mir arbeiten möchte, soll klar sehen können, wie mein Angebot aufgebaut ist und kann so selbst prüfen, ob es gerade passt.
Fokus schafft Raum
In den vergangenen Jahren hat sich mein Angebot mit mir entwickelt: Von Lernförderung über das Bildungs- und Teilhabepaket, Lerntherapie für Selbstzahler und Förderung über die Wiedereingliederungshilfe (Warum ich heute nicht mehr mit dem Jugendamt zusammenarbeite), Lerncoaching für Schüler und angehende Lerntherapeuten kamen immer neue Angebote dazu, immer wieder habe ich mich von einzelnen verabschiedet. Anfang 2026 habe ich mir noch mehr Raum geschaffen, denn ich biete jetzt ausschließlich Lerntherapie bei LRS und Rechenschwäche und Coaching für (angehende) Lerntherapeutinnen an (mein Angebot 2026). Außerdem lege ich meinen Fokus auf die Online-Lerntherapie.
Ich habe in den letzten Jahren erlebt, wie kraftvoll das Online-Setting sein kann. Es ermöglicht mir, Kinder und Jugendliche unabhängig vom Wohnort zu begleiten. Gerade dort, wo es keine spezialisierten Angebote gibt, kann ich Schüler und ihre Familien so individuell unterstützen. Online zu arbeiten, heißt für mich nicht weniger Nähe, denn wir lachen, spielen und reden genauso, wie auch in Präsenz. Manchmal entsteht sogar mehr Nähe, wenn Jugendliche mir ihre Zimmer zeigen oder Kinder ihr Lieblingsspielzeug in die Kamera halten. Manchmal streifen auch Hunde, Katzen oder Geschwister durchs Bild und ich lerne so die ganze Familie kennen.
Die Online-Lerntherapie ermöglicht es mir auch, noch besser auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen. Manche Kinder lernen abends am besten. Andere profitieren von kürzeren, klar strukturierten Einheiten. Durch die Online-Lerntherapie kann ich flexibel auf diese Anforderungen reagieren. Diese Flexibilität ist kein Nebeneffekt, sie ist ein Qualitätsmerkmal.
Mehr Raum verschafft mir mein Fokus auf die Online-Lerntherapie auch, weil ich meine Materialien gezielter auswählen kann. Einige Spiele, die nur für die Arbeit in Präsenz geeignet sind, kann ich daher ausmisten und an Kolleginnen weitergeben. So wird mein Praxisraum etwas übersichtlicher.
Fokussiert lernen
Fokus zeigt sich nicht nur darin, wie ich arbeite, sondern auch darin, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte. Das ist besonders beim Lernen wichtig. In meiner täglichen Arbeit erlebe ich immer häufiger Kinder und Jugendliche, die fachlich durchaus Potenzial mitbringen, denen aber die innere Steuerung fehlt, um dieses Potenzial abrufen zu können. Sie sind schnell abgelenkt, verlieren den roten Faden oder geraten unter Druck so sehr in Stress, dass Denken kaum noch möglich ist. Mit ihnen erarbeite ich Strategien, sich selbst besser zu regulieren, denn Lernen scheitert selten nur am Stoff.
Wichtig, um fokussiert lernen zu können, sind unsere exekutiven Funktionen – also die Prozesse, die unser Handeln innerlich organisieren. Dazu gehören die Fähigkeiten, Impulse zu hemmen, flexibel umzudenken und relevante Informationen im Blick zu behalten. Sich also auch dann noch steuern zu können, wenn etwas anstrengend, langweilig oder frustrierend ist.
Gerade Kinder mit LRS oder Rechenschwäche stehen hier unter besonderem Druck. Wenn jede Aufgabe mehr Energie kostet, sinkt die Frustrationstoleranz schneller. Mein Fokus in der Lerntherapie verschiebt sich deshalb noch bewusster auf diese Basisarbeit. Fokussiert lernen bedeutet für mich 2026 also nicht nur, Inhalte zu vermitteln, sondern meine Schüler darin zu stärken, sich diesen Inhalten überhaupt zuwenden zu können.
In meiner Blogparade Fokus bitte haben viele Blogger ihre besten Tipps für mehr Konzentration geteilt. Vielleicht sind auch Anregungen für dich dabei?
Fokus ist Haltung
Wenn ich klarer werde in meinem Business, werde ich auch klarer in meiner inhaltlichen Haltung. Was ist wirklich entscheidend für nachhaltige Lernentwicklung? Was braucht es zuerst, bevor Methoden, Strategien und Übungen greifen können? Welchen Rahmen schaffe ich für meine Arbeit?
Für mich heißt Fokus 2026 daher: weniger Rechtfertigung, mehr Klarheit und bewusste Entscheidungen. Und die Konzentration auf das, was ich wirklich gut kann und mit voller Überzeugung anbiete. Denn am Ende profitieren davon vor allem die Kinder und Jugendlichen, die ich begleite. Wenn ich klar ausgerichtet bin, entsteht auch für sie ein klarer Rahmen, in dem sie weiter wachsen können.
Du willst mich 2026 dabei begleiten, wie ich mein Motto umsetze? Dann abonniere gerne meinen Newsletter!

