Zuletzt bearbeitet am 4. Oktober 2026
An meinem ersten richtigen Ferientag klingelte um 7:10 Uhr das Telefon. Die Heizungsfirma wollte wissen, ob sie heute vorbeikommen könne, um die Wand im Heizungsraum abzureißen. So viel zum Thema Ausschlafen! Ruhig war mein Sommer also nicht, dafür aber richtig schön: Ich hatte eine Schülerin zur Lerntherapie-Intensivwoche bei mir, war mit alten Freunden in Mainz unterwegs, habe mich bei zwei Foodtouren durch Berlin und Hannover probiert und zum Schulstart mit meinen Schülern über Fehler gesprochen. Komm gerne mit auf meine Reise durch Juli und August!
Intensivwoche in den Ferien: zehn Stunden Lerntherapie, drei Monate Fortschritt
In den ersten Schulferienwoche hatte ich noch reguläre Lerntherapie mit meinen Schülern und alle waren sehr entspannt. Wenn der Schulstress wegfällt, niemand abends noch Hausaufgaben machen oder sich auf die nächste Arbeit vorbereiten muss, merkt man das den Kindern an. Ohne den Druck von außen sind sie viel offener, probieren mehr aus und trauen sich mehr zu. Dann lernt es sich fast von allein.
Eine Schülerin hatte in dieser Woche sogar eine Intensivwoche mit zwei Fördereinheiten an jedem Tag, also zehn Stunden insgesamt. In diesen zehn Stunden sind wir so weit gekommen wie sonst in drei Monaten Lerntherapie und das ist wirklich enorm. Das liegt genau an dieser Verdichtung: Wenn wir uns nicht nur einmal in der Woche sehen, sondern mehrere Tage hintereinander, dann muss ich nicht jedes Mal von vorne anknüpfen. Das Gelernte ist noch frisch, wir bauen direkt darauf auf und die Kinder erleben ihre eigenen Fortschritte fast in Echtzeit.
Wir haben am Stellenwertsystem gearbeitet und das Addieren und Subtrahieren im Kopf wiederholt und weil wir eine Menge Spiele gespielt haben, verging die Zeit dabei wie im Flug. Am meisten Spaß gemacht haben ihr genau diese Spiele, hat mir die Schülerin zum Abschluss verraten. Ich bin überzeugt, dass sie auch deshalb so tolle Fortschritte gemacht hat: Wenn Lernen sich anfühlt wie Spielen, dann fällt es viel leichter und es bleibt mehr hängen. Nach den Ferien lernt die Schülerin regulär mit mir weiter, dann einmal wöchentlich. Die Intensivwoche hat ihr einen richtigen Boost gegeben und war ein guter Start in die Lerntherapie.
Vielleicht fragst du dich jetzt, ob Lernen in den Ferien überhaupt sein muss, schließlich sollen Kinder sich ja auch erholen. Für mich gehört beides zusammen: Erholung und ein bisschen dranbleiben schließen sich nicht aus, gerade wenn das Dranbleiben entspannt und spielerisch passiert. Dafür gibt es so viele tolle Spiele und das müssen nicht unbedingt Lernspiele sein (mein Favorit ist ja das gute alte Kniffel).
Urlaub in der alten Heimat: Biergarten, Strand und Straußwirtschaft
Bei unserem Urlaub in der alten Heimat haben wir uns mit vielen alten Freunden getroffen. Dabei waren wir so richtig als Touristen unterwegs: im Biergarten am Winterhafen und auf der anderen Rheinseite in der Bastion Schönborn.
Außerdem waren wir in der Straußwirtschaft Dhom, wo wir an einem Mittwochabend gerade noch so Plätze an einem großen Tisch ergattern konnten. Unglaublich, wie voll es an einem normalen Wochentag war! Wir saßen ziemlich am Rand der brechend vollen Terrasse und hatten einen tollen Blick über die Ebene. Mit uns am Tisch saß ein Paar aus Ebersheim, das mit dem Rad gekommen war. Obwohl wir uns gar nicht kannten, haben wir uns den ganzen Abend gut unterhalten.
Außerdem habe ich mich mit Gisela getroffen, um einen Bericht über unser Abitreffen für das Jahrbuch zu schreiben. Letztlich wurde der Text nicht mit aufgenommen (aus Platzgründen), aber wir hatten einen tollen Nachmittag in einem Café am Mainzer Dom. Falls du den Text lesen willst, kannst du das hier tun.



Foodtouren in Berlin und Hannover: Anekdoten, Kekse und leckere Spots
In den Ferien habe ich mit meiner Schwester eine Foodtour durch Berlin-Schöneberg gemacht – endlich hatten wir einen Termin gefunden, an dem wir beide Zeit hatten! Die Tour war richtig gut: Unser Tourguide hat sehr viele interessante Anekdoten erzählt, sodass die drei Stunden wie im Flug vergingen.
Die Tour hat mir so gut gefallen, dass ich spontan entschieden habe, am letzten Ferientag noch einmal allein eine Foodtour durch Hannover zu buchen. An sechs verschiedenen Stationen in der List haben wir ganz viele leckere Dinge probiert und viel über das Viertel erfahren. Ich weiß jetzt unter anderem, warum der Leibniz-Keks so heißt, seit wann das Wort „Keks” im DUDEN steht und was das TET-Zeichen auf den Bahlsen-Kekspackungen bedeutet (mehr dazu kannst du bei Wikipedia nachlesen). Die leckeren Restaurants werde ich sicher in der nächsten Zeit nochmal bei einem ausführlichem Essen ausprobieren.
Mit meiner Schwester in Berlin
Bahlsen in Hannover
Schulstart mit „Fehler sind Helfer”: ein Radiergummi mit Botschaft
Mitte August hat die Schule wieder angefangen. Für den Schulanfang überlege ich mir immer eine Kleinigkeit, die ich meinen Schülern schenken kann. Dieses Jahr war das ein Radiergummi, der eine besondere Hülle bekommen hat: Fehler sind Helfer. Passend dazu habe ich in der ersten Stunde das Thema „Fehler” in den Vordergrund gestellt.
Ich bin davon ausgegangen, dass viele meiner Schüler ein ziemlich schlechtes Bild von Fehlern haben. Denn sie machen oft Fehler und bekommen entsprechend schlechte Noten. Wir haben also erst einmal gesammelt, was ihnen und mir zum Thema Fehler einfällt. Ich war wirklich erstaunt, wie differenziert die Ideen waren:
- „Fehler kann man verbessern.”
- „Fehler zeigen, was ich besser machen kann.”
- „Fehler sind nicht schlimm, wenn man noch übt.”
- „Fehler sind anstrengend.”
- „Fehler sind gut im Unterricht, weil die Lehrer helfen – in der Klassenarbeit sind Fehler nicht gut.”
- „Lernen verhindert Fehler.” (in der Klassenarbeit)
- „Fehler sind doof, da ist eine große Verletzungsgefahr.” (beim Turnen)
- „Durch Fehler sind neue Dinge entstanden.”
- „Ein Fehler kann auch ein Vorteil sein.” (wenn sich die Eltern zum Beispiel bei der Berechnung der Bildschirmzeit verrechnen)
Fehler sind also nicht in jeder Situation dasselbe und können manchmal sogar etwas Gutes hervorbringen. Es waren richtig tolle Gespräche!
Im Anschluss haben wir darüber gesprochen, dass viele Erfindungen erst durch Fehler entstanden sind. Ich hatte vier herausgesucht: Penicillin, Sekundenkleber, Mikrowelle und Post-it. Jeder Schüler durfte sich eine Erfindung aussuchen, über die er mehr erfahren wollte. Dann haben wir uns angeschaut, welcher Fehler den Forschern da eigentlich passiert ist und wie daraus etwas Neues entstanden ist, das so großartig ist, dass wir es heute noch alle benutzen.
Zum Abschluss haben wir uns die „Erfindung” des Radiergummis angeschaut (die übrigens durch einen Fehlgriff entstanden ist) und jeder Schüler hat diese kleine Erfindung als Geschenk zum Schuljahresanfang bekommen. Die Aufschrift „Fehler sind Helfer” erinnert sie hoffentlich in der Schule daran, dass Fehler durchaus etwas Gutes haben können und uns dabei helfen, weiterzukommen.

Was im Juli / August sonst noch los war
- Zu Beginn der Ferien waren wir mit Silke und ihrem Mann frühstücken – ein sehr guter Start in die Schulferien, auch wenn ich die nächsten zwei Wochen noch arbeiten sollte.
- An meinem ersten richtigen Ferientag klingelte um 7:10 Uhr das Telefon. Dran war die Firma, die uns eine neue Heizung installieren sollte. Sie hätten vergessen den Termin abzusprechen, aber ob sie heute vorbeikommen könnten, um die Wand im Heizungsraum abzureißen? Natürlich sehr gerne – ich konnte mir nichts Besseres für meinen ersten Ferientag vorstellen.
- Ich war seit langer Zeit mal wieder im Kino und habe Toy Story 5 gesehen. Ich muss zugeben, ich bin mit wenig Erwartungen in den Film gegangen und war mir auch gar nicht sicher, ob ich Teil 4 gesehen hatte. Ich wurde aber positiv überrascht: Ich fand den Film wirklich witzig und an manchen Stellen auch hintergründig, denn es geht um die Konkurrenz zwischen „echtem“ und digitalem Spielzeug. Und obwohl es der Tag der Erstausstrahlung war, war das Kino ziemlich leer – Werksferien in Wolfsburg.
- Weil es so schön war, war ich im August gleich nochmal im Kino: Minions & Monster – auch netter, als ich erwartet hatte!
- Im August ging es dann auch weiter mit dem Heizungsaus- und -neueinbau. Zwei Wochen Lärm, Dreck und Dinge, die schiefgelaufen sind. Und am dritten Tag nach der Einweisung in die Heizung war sie schon gleich kaputt und eine Pumpe musste vom Werkskundendienst ausgetauscht werden.
- Ende August waren wir nochmal bei Hansmanns frühstücken, diesmal mit Freunden aus Wolfsburg. Unser Frühstück hieß übrigens „Hanni und Nanni“ und war superlecker!

Das habe ich im Juli / August 2026 gebloggt
- Ein Newsletter-Name, sichtbare Fortschritte und die KI – mein Monatsrückblick Mai 2026
Im Mai war ich selbst wieder Schülerin: Ich habe „Double your list“ bei Judith Peters mitgemacht. Dabei sind der neue Name Yeah & News für meinen Newsletter und mein Freebie „Fokus an!“ entstanden. Außerdem erzähle ich, wie ich Lernfortschritte mit Levumi sichtbar mache und warum KI die Beziehung in der Lerntherapie nicht ersetzen kann. - Mein Monatsrückblick Juni 2026: Was bleibt eigentlich?
Im Juni habe ich gleich zwei 30-jährige Klassentreffen am Rhein in Mainz gefeiert. Dabei habe ich gemerkt, dass aus der Schulzeit vor allem die Beziehungen bleiben. Außerdem erzähle ich, warum eine Lerntherapie nicht erst endet, wenn ein Kind fehlerfrei rechnet und wie wir beim ersten Präsenztreffen unseres Lerntherapeutennetzwerks in Göttingen Fröbelwürfel gefaltet haben. - Wie meine Schulzeit bis heute in meiner Lerntherapie nachwirkt
Ich war eine gute Schülerin und bin in der Oberstufe trotzdem zum ersten Mal beim Lernen ins Stolpern geraten. In diesem Artikel erzähle ich, was dieses Gefühl mit den Kindern zu tun hat, die jeden Tag mit LRS oder Rechenschwäche kämpfen. Außerdem geht es darum, was aus der Schulzeit wirklich bleibt und warum ich in der Lerntherapie heute auf das kleine Wörtchen NOCH setze.
Ausblick auf den September 2026
- Ich treffe mich mit Kolleginnen in Hannover zu einem Vortrag des BVL zum neuen niedersächsischen Schulgesetz. Ein Thema, das gerade viele von uns beschäftigt, weil noch nicht so ganz klar ist, was sich daraus für den Nachteilsausgleich in der Schule ergibt.
- Ende September fahre ich nach Stuttgart zu unserem Live-Treffen des Lerntherapeutennetzwerks.
- Außerdem treffe ich mich wieder mit meiner Supervisionsgruppe zum Austausch über meine Arbeit.
