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Ein Oktober wie ein Wimmelbild: Ameisen, Äpfel und 588 Stundenpläne – mein Monatsrückblick Oktober 2026

Grenzdenkmal Hötensleben

Zuletzt bearbeitet am 31. Oktober 2026

Als ich mich an diesen Rückblick gesetzt habe, dachte ich zuerst mal wieder, dass im Oktober doch gar nicht so viel passiert ist. Wie immer sind mir beim Durchgehen meiner Notizen dann aber doch wieder ein paar Dinge eingefallen. Ich war zum ersten Mal am Grenzdenkmal in Hötensleben, habe für meinen neuen Stundenplan 588 Varianten durchrechnen lassen und in der alten Heimat eine Ameisen-Haustierkolonie bestaunt. Dazu kamen eine Menge Äpfel, ein Überraschungspaket und mehrere Netzwerktreffen, bei denen ich mich mit meinen Kolleginnen ausgetauscht habe. 

Zum ersten Mal am Grenzdenkmal Hötensleben

So lange wohnen wir jetzt schon hier und haben dieses Jahr zum ersten Mal den Tag der Deutschen Einheit an der ehemaligen Grenze verbracht. Auf verschiedenen Wanderungen sind wir schon häufiger entlang der ehemaligen Grenze unterwegs gewesen, das Grenzdenkmal in Hötensleben habe ich dieses Jahr aber zum ersten Mal besucht. Am 3. Oktober gab es dort kostenlose Führungen und das war wirklich sehr interessant.

Tatsächlich wusste ich nicht, dass die Grenze hier erst am 19. November 1989 um 7:50 Uhr geöffnet wurde, also zehn Tage nach dem Mauerfall in Berlin. Unsere Gästeführerin erklärte, dass das auf dem Land durchaus so war, da dort keine direkten Grenzübergänge waren. Auch wenn dort Ortschaften getrennt waren, mussten die Barrieren erst Schritt für Schritt abgebaut werden und so wurde die Grenze auf dem Land oft erst einige Tage später geöffnet.

Das Grenzdenkmal zeigt die ehemaligen Grenzanlagen und die verschiedenen Beobachtungstürme direkt am Ortsrand von Hötensleben. Einige der Bewohner der Häuser direkt an der Grenze wurden damals umgesiedelt. Beeindruckend fand ich auch ein wunderschönes Feld voller Wildblumen, in dem früher Minen vergraben waren. Wenn man davorsteht, kann man sich das kaum vorstellen. In unserer Gruppe war auch ein Besucher, der uns ein wenig an seinem Leben im damaligen Grenzland teilhaben ließ.

Geschichte, die man vor Ort erzählt bekommt, bleibt ganz anders hängen als jede Unterrichtsstunde. Darum sind solche Erinnerungsorte einfach so wichtig.

588 Möglichkeiten für einen neuen Stundenplan

Seit den Herbstferien gilt in meiner Praxis ein neuer Zeitplan. Nachdem Ende September endlich alle Schüler ihren neuen Stundenplan hatten (Bayern und Baden-Württemberg haben erst Mitte September wieder mit der Schule begonnen), konnte ich nicht mehr alle Schüler sinnvoll unterbringen. Deshalb habe ich jede Familie gebeten, mir einen Wunschtermin und zwei Alternativtermine für ihr Kind zu nennen. 

Für alle die bestmögliche Lösung zu finden, ist dabei gar nicht so einfach. Meine Netzwerkkollegin Tanja hatte uns vor einiger Zeit vorgestellt, wie sie ihren Stundenplan mithilfe von KI zusammengestellt hat. Das habe ich dann auch mal ausprobiert (mit anonymisierten Daten natürlich). Wichtig war mir, dass möglichst viele Schüler ihren Erstwunsch bekommen und Schüler mit ADHS frühe Termine, an denen sie noch konzentriert arbeiten können. Claude hat mir 588 mögliche Varianten durchgerechnet und die beste davon herausgesucht. So viele Kombinationen hätte ich von Hand nie durchspielen können!

Leider hat dies nicht für alle Familien gepasst: Eine Familie wollte ihren Wunschtermin nicht zugunsten anderer aufgeben und hat die Lerntherapie daraufhin beendet. Zwei meiner wichtigsten Werte in der Lerntherapie sind Beziehung und Zuverlässigkeit und beides gilt in beide Richtungen: Familien können sich auf mich verlassen. Wenn ein Terminwechsel nötig wird, hat das zwingende Gründe. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir bei Veränderungen gemeinsam nach einer Lösung suchen. Wenn das schon beim Stundenplan nicht gelingt, hätte unsere Zusammenarbeit vermutlich auch sonst nicht gut funktioniert. Daher bin ich sehr froh, dass nun eine Familie, die meine Werte teilt, den freigewordenen Platz nutzen kann. Warum mir diese Werte so wichtig sind, liest du in meinem Artikel Meine wichtigsten Werte in der Lerntherapie: Begeisterung, Beziehung, Zuverlässigkeit.

Herbstferien in der alten Heimat und eine Ameisenkolonie

In den Herbstferien waren wir wieder in der alten Heimat und haben Freunde und Familie besucht. Mit Matthias saßen wir im Plan B und haben darüber sinniert, wie der Marktplatz in unserer Kindheit ausgesehen hat. An einem anderen Abend waren wir bei Sandra zu Besuch und es gab Zwiebelkuchen. Den hatte ich seit Jahren nicht mehr gegessen und er war so lecker! Danke, liebe Sandra, dass du dir die Mühe mit den Unmengen Zwiebeln gemacht hast!

Sandras Sohn hat mir an diesem Abend seine neuen „Haustiere“ gezeigt: eine Ameisenkolonie. Die Hauptaufgabe der Ameisen besteht darin, Körner aus ihrem Terrarium über eine Schlauchspirale in ihr Nest zu transportieren und daraus Ameisenbrot zu machen. Manche Ameisen waren richtig groß und ich habe mich sofort an die Ameise aus „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ erinnert. Die Königin konnte ich übrigens nicht entdecken, obwohl mir L. genau gezeigt hat, wo ich hinsehen muss. Spannend fand ich auch den „Ausbruchschutz“, den er mir demonstriert hat. Dieser soll die Ameisen daran hindern, in die Wohnung zu entwischen. Nach den Ferien sind die Ameisen übrigens in den Fachbereich Biologie seiner Schule umgezogen. Toll, wenn eine Schule so etwas möglich macht!

Bei dieser Einführung in die Welt der Ameisen musste ich sofort an Ellie und ihre Achatschnecken denken. Auch sie kennt sich mit ihren Tieren richtig gut aus und erklärt mir mit Begeisterung alles über ihre Schnecken. Kinder und Jugendliche, die von ihren Haustieren erzählen, haben sich oft ganz nebenbei eine Menge Wissen angeeignet – aus eigenem Antrieb und ohne jeden Druck. Genau diese Begeisterung ist der beste Motor fürs Lernen. Mehr über Ellie und ihre Schnecken liest du in diesem Artikel.

Das war im Oktober 2026 sonst noch los

  • Apfelernte: Unser kleiner Apfelbaum hat uns in diesem Jahr wieder richtig viele Äpfel geschenkt. Daraus habe ich Marmelade gekocht und gleich mehrere Apfelkuchen gebacken. Der Rest der Äpfel wartet immer noch im Keller.
  • Überraschungspaket der Buchhandlung Lykke: Zu ihrem einjährigen Bestehen hat mir die Buchhandlung Lykke ein Päckchen geschickt, mit einem Kalender, einer Buchhülle und einer sehr persönlichen Karte. Das hat mich so gefreut und mal wieder daran erinnert, warum es sich lohnt, inhabergeführte kleine Geschäfte zu unterstützen.
  • Leseförderung mit älteren Schülern: Im Lerntherapeutennetzwerk haben wir darüber gesprochen, dass Lesenüben bei Jugendlichen oft ein Spagat ist zwischen Übungen, die eigentlich nötig wären, aber ziemlich langweilig sind, und der Motivation, interessante Texte zu lesen. Ich nutze dafür gerne PotsBlitzmit dem Material ab Klasse 5, das genau diese Mischung bietet. Weitere Ideen findest du in meinem Artikel Lesen üben ohne Frust.
  • Netzwerktreffen: Außerdem ging es im Netzwerk um ein Screening für Erstklässler und wir hatten unseren Steuerberater zu Gast, der eine ganze Reihe unserer Fragen klären konnte.

Das habe ich im Oktober 2026 gebloggt

Ausblick auf den November 2026

  • Ich werte meine Umfrage aus und fasse die Ergebnisse in einem Blogartikel zusammen: Online-Lerntherapie – Geht Beziehungsaufbau auch über den Bildschirm?
    Passend dazu werden wir uns im Lerntherapeutennetzwerk zu diesem Thema austauschen.
  • Ich besuche ein Seminar zur AVS. Ich bin gespannt, was ich darüber Neues lernen werde (neu ist mir z.B. schon mal, dass es wohl nicht mehr AVWS heißt).
  • Wir gehen mit Freunden frühstücken und zum Eishockey.
Veröffentlicht unter Rückblicke

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