Der Start in die Lerntherapie ist für jedes Kind etwas Besonderes. Alles ist neu: die Zusammenarbeit, die Materialien, das gemeinsame Arbeiten. Wenn Eltern mich kontaktieren, kommt fast immer eine Frage sehr früh im Gespräch: „Wie läuft der Start in der Lerntherapie eigentlich ab?“
Mir ist es wichtig, diesen Anfang bewusst zu gestalten – mit Zeit zum Ankommen, zum Kennenlernen und zum Verstehen, was Lerntherapie eigentlich bedeutet. In diesem Artikel gebe ich dir einen Einblick in den Beginn einer Lerntherapie. Anhand von Paulas Geschichte zeige ich, wie wir uns kennenlernen, wie die ersten Stunden aufgebaut sind und wie daraus eine tragfähige Grundlage für die weitere Förderung entsteht.
So beginnt eine Online-Lerntherapie bei mir
Erstes Gespräch mit den Eltern
Wir besprechen die Ausgangslage und wählen einen passenden Schwerpunkt.
Unverbindliches Kennenlerntreffen (online)
Wir testen die Technik und lernen uns und das virtuelle Klassenzimmer kennen.
Zeit zur Entscheidung
Wir reflektieren, jeder für sich, das Kennenlernen und entscheiden, ob wir zusammen arbeiten wollen.
Schrittweise Eingangsdiagnostik
Wir klären, was Lerntherapie überhaupt ist und erfassen den aktuellen Lernstand.
Individueller Förderplan
Ich werte die Ergebnisse aus und lege sinnvolle Förderschwerpunkte fest.
Auswertungsgespräch mit den Eltern
Wir besprechen die Ergebnisse der Eingangsdiagnostik und stimmen uns über den Förderplan ab.
Beginn der Lerntherapie
Wir arbeiten Schritt für Schritt an den Förderschwerpunkten.
Warum Paulas Mutter Hilfe gesucht hat
Paulas Mutter meldet sich bei mir, weil sie Unterstützung für ihre Tochter sucht. Paula ist 10 Jahre, hat ADHS, eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) und eine Rechenschwäche. In der Schule kommt sie an ihre Grenzen und merkt immer mehr, dass sie die Anforderungen nicht erfüllen kann. In einer ADHS-Therapie hat sie schon gelernt, dass das nicht daran liegt, dass sie nicht genug übt, sondern dass ihr Gehirn einfach anders arbeitet. Jetzt möchte sie sich auch in Mathe und Deutsch verbessern. Dabei soll ich sie unterstützen.
Das erste Gespräch – Orientierung schaffen
Paulas Mutter schreibt mir eine Email und bittet um einen Rückruf. Wir telefonieren an einem Abend in Ruhe. Sie erzählt mir von Paulas Weg, von den bisherigen Unterstützungen und davon, was sie sich jetzt erhofft.
Ich stelle ihr vor, wie ich arbeite und wie ich sie unterstützen kann:
- Ich biete Lerntherapie an mit den Schwerpunkten LRS oder Rechenschwäche.
- Dabei arbeiten wir einmal pro Woche für 45 Minuten zusammen an den jeweiligen fachlichen Schwerpunkten.
- Aber auch die Stärkung der Persönlichkeit, Motivation und Selbstvertrauen und der Umgang mit den Lernschwierigkeiten sind ein wesentlicher Teil.
- Darüber hinaus berate ich die Eltern, wie sie ihr Kind unterstützen können und spreche mit Lehrkräften ab, welche Maßnahmen in der Schule sinnvoll sein können – wenn die Eltern dies wünschen.
In einem Erstgespräch bekomme ich auch oft die Frage gestellt: Wie lange dauert denn eine Lerntherapie? Diese Frage kann ich so natürlich nicht beantworten, denn das ist ganz individuell. Es hängt davon ab, welche Ziele erreicht werden sollen und wie schnell das Kind das neu Gelernte umsetzen kann. Wichtig ist mir deshalb, dass wir einen klaren Schwerpunkt setzen. Gerade wenn wie bei Paula mehrere Herausforderungen zusammenkommen, ist es entscheidend, nicht alles gleichzeitig angehen zu wollen. In der begrenzten Zeit würden sonst keine echten Fortschritte entstehen.
Paulas Mutter interessiert sich für eine Online-Lerntherapie mit dem Schwerpunkt LRS. Da die Familie weiter weg wohnt und der Alltag eng getaktet ist, ist das für sie eine gute Option. Bevor wir uns aber festlegen, vereinbaren wir ein Online-Kennenlerntreffen – ganz ohne Verpflichtung.
Das Kennenlerntreffen – ankommen dürfen
Online-Lerntherapie bietet eine Reihe von Vorteilen, braucht aber auch ein gutes Fundament:
- passende technische Ausstattung (Maus oder Trackpad, Tastatur, Headset)
- eine zuverlässige Internetverbindung
- und vor allem ein gutes Gefühl bei Kind und Eltern.
Beim Kennenlerntreffen sitzen Paula und ihre Mutter gemeinsam vor dem Bildschirm. Paula sagt gleich zu Beginn, dass sie ziemlich aufgeregt ist. Ich beruhige sie, dass das völlig normal ist. Wir unterhalten uns ein bisschen und Paula erzählt mir, dass sie gerne bastelt. Dann zeige ich ihr unser virtuelles Klassenzimmer und wir probieren alles Schritt für Schritt aus:
- mit dem virtuellen Stift etwas ankreuzen
- Text markieren
- eine Spielfigur erstellen und auf der Tafel verschieben
- etwas mit der Tastatur schreiben
Damit es spielerisch bleibt, habe ich eine kleine Kennenlernfolie vorbereitet: Lieber Pommes oder Pizza? Während Paula ausprobiert, kommen wir ins Gespräch. Ihre Aufregung lässt spürbar nach.
Zum Schluss zeige ich ihr noch, wie wir gemeinsam ein Spiel (Dobble) unter der Dokumentenkamera spielen können. Paula meistert alles ganz wunderbar und ich sehe ihr an, dass ihr das Online-Arbeiten Spaß macht.

Eine Entscheidung mit gutem Gefühl
Nach dem Kennenlerntreffen vereinbaren wir bewusst eine Pause. Paula und ihre Mutter sollen in Ruhe überlegen, ob sich dieser Weg für sie richtig anfühlt.
Schon am nächsten Morgen meldet sich Paulas Mutter zurück: Paula möchte die Lerntherapie beginnen. Ich schicke die Vertragsunterlagen und damit kann Paulas Lerntherapie beginnen:
ein Lernen, das an ihren Stärken ansetzt, ihr Tempo respektiert und ihr wieder mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gibt.
Die erste Lerntherapiestunde
Ab sofort arbeiten Paula und ich einmal wöchentlich zu einer festen Zeit zusammen. Damit ich genau weiß, wo Paula steht und wie ich die Lerntherapie aufbauen kann, verschaffe ich mir in den ersten Stunden einen Überblick über ihren Lernstand. Dafür schicke ich Paula vor ihrer ersten Stunde einige Unterlagen zu.
Zu Beginn ihrer ersten „richtigen“ Lerntherapiestunde ist Paula nicht mehr aufgeregt. Sie ist neugierig, was wir wohl machen werden. Die Materialien liegen griffbereit neben dem Computer. Nachdem wir uns über Paulas Tag unterhalten haben, starten wir mit der Frage, was Lerntherapie eigentlich ist.
Dazu lege ich meine Lerntherapie-Entdeckerkiste unter die Kamera und Paula darf aussuchen, welche Gegenstände ich herausnehmen soll. So kommen wir ins Gespräch:
- Die Leiter steht für den Lernweg: Vorwärts kommt man nur Schritt für Schritt, man kann die Leiter nicht hochspringen.
- Der Luftballon steht für den langen Atem, den man für die Lerntherapie braucht. Fortschritte zeigen sich nicht sofort, man muss dranbleiben.
- Das Konfetti steht für die Erfolge, die wir wahrnehmen und gemeinsam feiern.

Erst danach starten wir fachlich. Paula nimmt die Materialien zur Hand, die ich ihr zugeschickt habe. Schritt für Schritt arbeiten wir uns durch die Testunterlagen. Diese schickt mir ihre Mutter im Anschluss zur Auswertung wieder zurück.
Die Folgestunden
Die Eingangsdiagnostik erstreckt sich über mehrere Stunden. Mir ist wichtig, mir ein möglichst genaues Bild von Paulas Lernstand zu machen – ohne Zeitdruck und ohne Überforderung.
Wir machen einen Lautlesetest und einen Test zum Leseverständnis, um zu sehen, wie sicher Paula bereits liest. Im Bereich Schreiben führe ich mit Paula ein Lückendiktat durch. Um ihren Lernstand noch besser zu erfassen, fertigen wir über mehrere Stunden eine Schreibprobe an. Paula darf dabei wählen, wie sie schreiben möchte: Sie kann eine eigene Geschichte erfinden, ihren Tagesablauf beschreiben oder eine Geschichte zu einem Bilderbuch schreiben. Paula entscheidet sich für Tief im Ozean – ein Bilderbuch ganz ohne Text von John Hare. Ihren Text schickt mir ihre Mutter nach der Stunde per Mail zu.

Förderplan und Auswertungsgespräch
Nachdem mir Paulas Mutter alle Unterlagen wieder zurückgeschickt hat, werte ich die Ergebnisse aus. Ich prüfe, welche Bereiche besondere Aufmerksamkeit brauchen und welche Stärken wir gezielt nutzen können. Daraus entsteht der individuelle Förderplan für Paula.
Anschließend treffe ich mich mit Paulas Mutter online zu einem Auswertungsgespräch. Ich stelle ihr die Ergebnisse vor und wir besprechen gemeinsam, wie die Lerntherapie aufgebaut sein wird. Auch mit Paula bespreche ich die Ergebnisse in der nächsten Lerntherapiestunde altersgerecht und wertschätzend.
Jetzt sind alle Voraussetzungen geklärt.
Die Lerntherapie kann beginnen – mit einer klaren Struktur, realistischen Zielen und Raum für Entwicklung. Wie eine normale Stunde konkret aussehen kann, habe ich dir in diesem Artikel beschrieben: Wie läuft eine Lerntherapie-Stunde ab?
Wenn du dich für eine Lerntherapie interessierst und wissen möchtest, ob mein Angebot zu deinem Kind passt, findest du hier eine Übersicht über meine Angebote und Preise. Über freie Plätze informiere ich regelmäßig in meinem Newsletter.

