Zuletzt bearbeitet am 24. Mai 2026
Oft sind Leseaufgaben langweilige Tabellen, die als Hausaufgabe oder einfach zur Übung gelesen werden sollen. Auch in der Lerntherapie greife ich auf diese Formate zurück, da sie sehr effektiv sind. Nicht immer ist es einfach, die Schüler davon zu überzeugen, dass solche Übungen sinnvoll sind. Daher gilt es kreative Möglichkeiten zu finden, mit denen ich Leseübungen spielerisch gestalten kann, damit meine Schüler trotzdem Spaß haben. Ein Schnippspiel ist so eine Idee.
Hausaufgaben ganz einfach in ein Spiel verwandeln
Kürzlich hatte ich einen Schüler, der sich der Übung komplett verweigerte. Also haben wir ein Schnippspiel daraus gemacht und siehe da, von Runde zu Runde wurde es lustiger und der Schüler wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen
Das Spiel machte dem Schüler so großen Spaß, dass er sich immer wieder neue Chips aus dem Vorrat holte. Ich durfte dann auch mitspielen und ihm Wörter schnippen. Am Ende war die Motivation sogar so groß, dass der Schüler die Regel aufstellte, dass er die ganze Reihe lesen würde, wenn der Chip vor einer Reihe zu liegen kommt. Was will man mehr?
Zum Schluss durfte er seine „gewonnenen“ Chips zählen. Es waren 46. Gelesen hatte er aber wesentlich mehr, da er ja teilweise auch ganze Reihen gelesen hatte.
Therapeutischer Hintergrund
Warum funktioniert ein so simples Spiel, wenn das Leseblatt allein nicht zieht? Ganz einfach: Wenn Kinder spielen, ist die Aufmerksamkeit auf das Spiel gerichtet und nicht auf das langeweilige Arbeitsblatt. Der Chips-Wurf, das Abdecken eines Worts, das Zählen am Ende – all das schafft einen Rahmen, in dem das Lesen fast nebenbei passiert. Und weil Erfolgserlebnisse dabei fast garantiert sind, steigt die Bereitschaft, weiterzumachen.
Für Kinder mit LRS ist das besonders wertvoll. Sie haben oft so viele frustrierende Leseerfahrungen gesammelt, dass allein der Anblick eines Leseübungsblatts Widerstand auslöst. Ein Spielformat kann diesen Widerstand umgehen – nicht weil die Übung leichter wird, sondern weil der emotionale Kontext ein anderer ist.
Schnippspiel – so geht’s
Du brauchst:
- dein Leseblatt
- Spielchips
So spielst du:
- Nimm dir eine Anzahl von Chips, die du auf das Blatt schnippen willst.
- Lies das Wort vor, das durch deinen Chip abgedeckt wird.
- Ist es richtig? Dann darfst du den Chip als „Punkt“ behalten.
- Landet ein Chip nicht auf einem Wort, darf dein Partner ein Wort aussuchen oder du schnippst noch einmal.
- Spiele bis alle Chips verspielt sind. Wie viele Wörter hast du geschafft?
Wie du das Spiel gestalten kannst
Das Schnippspiel lässt sich leicht anpassen, je nachdem, wo und mit wem du es spielst.
Zu Hause können Eltern einfach mitspielen und abwechselnd schnippen. Wer keine Spielchips zur Hand hat, nimmt Münzen, Knöpfe oder kleine Zettelchen, Hauptsache, sie lassen sich schnippen. Auch ohne Partner funktioniert das Spiel: Das Kind schippt alleine und zählt seine gesammelten Chips als persönlichen Highscore. Beim nächsten Mal kann es versuchen, sich selbst zu übertreffen.
In der Therapiestunde lässt sich das Spiel wunderbar für Wiederholungsphasen nutzen, wenn bekannte Wörter oder Silben nochmals gefestigt werden sollen. Durch das gemeinsame Spielen entsteht eine lockere Verbindlichkeit, die viele Kinder zusätzlich motiviert.
Geeignet ist das Spiel ab etwa 6 Jahren, also sobald erste Leseübungsblätter im Einsatz sind. Das Schnippen muss allerdings ein bisschen geübgt werden, damit die Chips auch wirklich auf dem Blatt landen.

Hast du das Schnippspiel schon ausprobiert oder eine ähnliche Idee, wie du Leseübungen in Bewegung bringst? Ich freue mich über einen Kommentar! Weitere Lesespiele findest du in meinem Beitrag Lesen üben ohen Frust.
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Hallo Sabine,
ich bin gerade auf deine Homepage gestoßen und habe deine tolle Idee zur Leseförderung aufmerksam und mit Begeisterung gelesen. Danke dafür! Mich würde sehr interessieren, mit welchem Programm du arbeitest, denn ich finde das Blatt, das auf dem Foto zu sehen ist, sehr gut.
Fragt und grüßt
Judith
Hallo Judith,
es freut mich, dass dir die Idee gefällt. Das Blatt ist aus dem Programm von Reuter-Liehr.
Viele Grüße und viel Spaß beim Umsetzen!
Sabine