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Lesen üben ohne Frust – meine liebsten Lesespiele für Kinder mit Leseschwierigkeiten

Sabine Landua in ihrer Lerntherapiepraxis hält ein Buch in der Hand, Text: Lesen üben ohne Frust - Meine liebsten Lesespiele

Zuletzt bearbeitet am 24. Mai 2026

Du kennst das sicher: Dein Kind soll lesen üben, aber kaum liegt das Arbeitsblatt oder das Lesebuch auf dem Tisch, ist die Luft raus. Die Motivation ist irgendwo zwischen Sofa und Schulranzen einfach verschwunden. Das ist kein Trotz und kein Unwille, lesen zu üben, das ist ganz menschlich. Wenn du nach einer spielerischen Möglichkeit suchst, sind Lesespiele eine gute Alternative. Denn wenn uns etwas schwerfällt und jede Aufgabe viel Energie kostet, brauchen wir vor allem eines: einen Grund, der sich gut anfühlt.

Genau deshalb sind Spiele für Kinder mit Leseschwierigkeiten so viel mehr als nur eine nette Abwechslung. Sie schaffen einen geschützten Raum, in dem Üben und Freude zusammenfallen. Das Lernen geschieht fast nebenbei: Dein Kind ist konzentriert, weil das Spiel es fordert. Mit jeder weiteren Runde des Spiels übt dein Kind und festigt das Gelernte. So macht es Schritt für Schritt Fortschritte.

Deshalb habe ich für dich eine Auswahl an Lesespielen zusammengestellt, die ich in der Lerntherapie immer wieder spiele. Spiele, die Spaß machen und nebenbei genau das trainieren, was beim Lesen zählt. Damit du mit deinem Kind sinnvoll üben kannst, solltest du wissen, auf welcher Stufe des Lesenlernens es gerade steht. Eine Einordnung dazu, findest du in meinem Blogartikel Wie geht Lesen lernen? So gelingt der Start in die Welt der Buchstaben.

Lesespiele – auf einen Blick

Lesespiele machen aus dem Üben einen Moment, auf den dein Kind sich freut – konzentriert, mit Erfolgserlebnissen und ganz nebenbei. Damit das Üben sinnvoll ist, sollten die Spiele zur Lesestufe deines Kindes passen. Dieser Artikel ist genau danach geordnet:
Buchstaben-Laut-Zuordnung – die Verbindung von Buchstabe und Laut sicher verankern
Wörter lesen – Silbe für Silbe genau erlesen statt raten
Sätze lesen – Geschriebenes verstehen und umsetzen
Texte lesen – sinnentnehmend lesen über mehrere Sätze hinweg

Lesespiele für die Buchstaben-Laut-Zuordnung

Zu Beginn des Leselernprozesses müssen Kinder die Buchstaben lernen. Doch hinter jedem einzelnen Buchstaben steckt mehr, als man zunächst denkt, denn ein Buchstabe ist nicht einfach ein Laut. Das „e“ zum Beispiel klingt in „Feder“ ganz anders als in „Zelt“ oder am Ende von „Hase“. Bevor ein Kind anfängt, Wörter zu erlesen, muss es genau diese Verbindungen zwischen Buchstaben und Lauten so sicher verinnerlicht haben, dass sie ohne Nachdenken abrufbar sind.

Spiele in diesem Bereich sind tatsächlich nicht so verbreitet, weil man oft davon ausgeht, dass das Lernen der Buchstaben bzw. der Buchstabe-Laut-Verbindung ganz einfach ist. Einige tolle Spiele finden sich aber im LExi-Programm (Prolog) von Petra Küspert: Modul 3 (Buchstaben lernen) und Modul 5 (Duo-Spiel).

Duo (LExi 5, Prolog)

Das ist eines meiner Lieblingsspiele zur Laut-Buchstaben-Zuordnung. Gespielt wird es wie Uno, nur mit Buchstaben. Wichtig dabei ist, dass hier die Laute genannt werden und das „m“ z.B. als „mmmm“ und nicht als „em“ benannt wird.

Verbotene Buchstaben (LExi 3, Prolog)

Ein rasantes Spiel, das sowohl das Benennen der Buchstaben (als Laute), als auch die exekutiven Funktionen fordert. Die Buchstaben müssen benannt werden und gleichzeitig muss man sich merken, welcher Buchstabe gerade „verboten“ ist und nicht genannt werden darf. Das Spiel macht meinen Schülern richtig viel Spaß – vor allem dann, wenn ich falsch liege und den ganzen Stapel nehmen muss. 

Buchstaben ernten (LExi 3, Prolog)

In diesem Spiel „ernten“ wir Buchstaben von einem Baum, aber Achtung: Einer fehlt uns noch. Um den fehlenden Buchstaben zu finden, vergleichen wir blitzschnell die Baumkarte mit unserer Spielkarte. In der Spielvariante für Profis sind auch Ablenker versteckt, die uns verwirren sollen. Wir müssen uns beim Spielen also sehr auf die Aufgabe konzentrieren und dabei versuchen, uns nicht ablenken zu lassen. 

Buchstabe-Bild-Memory

Dieses Spiel kannst du dir selbst herstellen, indem du Karten mit Bildern und Karten mit den passenden Lauten herstellst. Im Spiel müssen dann die Karten gefunden werden, die zusammengehören. Aber auch hier gilt: Benenne den Laut („mmm“) und nicht den Buchstabennamen („em“). Durch das Aufdecken verknüpft dein Kind immer wieder Laut und Bild und festigt so die Buchstabe-Laut-Zuordnung.

Das Bild zeigt eine Auswahl von Lesespielen auf einem Tisch
Lesespiele für die Laut-Buchstaben-Zuordnung

Lesespiele zum Wörter lesen

Sind die Buchstaben und ihre Laute sicher verankert, beginnt das eigentliche Wörter lesen. Kinder erschließen sich neue Wörter jetzt Buchstabe für Buchstabe bzw. Silbe für Silbe. Häufig gelesene Wörter speichern sie mit der Zeit als Ganzes ab, sodass sie diese Wörter irgendwann auf einen Blick erkennen. Viele Kinder, die zu mir in die Lerntherapie kommen, haben genau hiermit ihre Schwierigkeiten. Statt Silbe für Silbe jeden Buchstaben mitzunehmen, raten sie nach dem Wortanfang. Ich trainiere mit ihnen die Lesegenauigkeit daher zunächst auf Silben und dann auf Wortebene.

Silbensafari-Silbenteppich Lesespiel (Ute Temel)

Da das Lesen von Silbenteppichen zwar eine sinnvolle, aber oft sehr langweilige Übung ist, nutze ich gerne das Lesespiel von Ute Temel. Ziel des Spiels ist es, einmal über den Silbenteppich vom Start zum Ziel zu gelangen. Dazu bekommt jeder Spieler Bewegungskärtchen, die anzeigen, in welcher Richtung und über wie viele Felder wir uns bewegen dürfen. Das macht richtig Spaß und es entstehen durch das Lesen der verschiedenen Silben lustige Quatschwörter. Ich nutze dazu übrigens auch häufig die eigenen Silbenteppiche der Schüler. Man muss lediglich ein Start- und ein Zielfeld festlegen.

Meine ersten Lesewörter (Lingoplay)

Das Spiel besteht aus Karten, auf denen jeweils zwei Wörter und ein Bild abgebildet sind. Ziel des Spiels ist es, Gleiches auf Gleichem abzulegen. So kann ich z.B. auf die ausliegende Karte mit Hose (Wort), Schiff (Bild) und Schaf (Wort), eine Karte mit einer Hose als Bild ablegen. Die Herausforderung ist, die Wörter auf den Karten immer wieder zu lesen und dabei die Bilder nicht zu vergessen. Wer zuerst alle seine Karten abgelegt hat, gewinnt. Zu dem Spiel gibt es auch eine Fortsetzung: Meine nächsten Lesewörter.

Immer, aber, mit & Co. Funktionswörter (Lingoplay)

Dieses Spiel funktioniert ähnlich wie KuddelMuddel, falls du das kennst. Alle Karten liegen verdeckt über den Tisch verteilt. Die Karten zeigen jeweils drei Funktionswörter, also die kleinen Wörter, die sehr häufig vorkommen. Ziel ist es eine Reihe von Karten zu legen, bei der jeweils ein Wort auf der einen Karte durch das gleiche Wort auf der nächsten Karte fortgesetzt wird. 

Doppelmoppel (Scolix)

Doppelmoppel gibt es in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, wobei jedes Spiel nochmal in zwei Level unterschieden wird. Ziel ist es, auf den ausgelegten Karten zwei gleiche zu finden – und das, bevor die Mitspieler sie sehen! Dabei müssen die Spieler immer wieder alle Wörter lesen und gleiche suchen.

Schnippspiel

Langweilige Leseteppiche werden interessant, wenn man sie mit einem Spiel verbindet. Beim Schnippspiel liest dein Kind immer wieder Silben oder Wörter, fast ohne zu merken, dass es gerade übt, weil das Schnippen selbst den Reiz ausmacht. Wie das Schnippspiel geht, habe ich hier beschrieben.

Das Bild zeigt eine Auswahl von Lesespielen auf einem Tisch
Lesespiele zum Lesen von Silben und Wörtern

Lesespiele zum Sätze lesen

Die einzelnen Übungsbereiche lassen sich nie ganz sauber trennen, sie gehen ineinander über. So liest ein Kind oft schon einfache Sätze, obwohl es erst wenige Wörter sicher erlesen kann. In der Förderung geht es deshalb weniger um ein klares Nacheinander als um das passende Material zur richtigen Zeit – mal etwas leichter, mal eine kleine Herausforderung mehr.

Das DINGS (Kallmeyer)

Dieses Ratespiel gibt es in verschiedenen Varianten. Ich habe die zum „spielend Deutsch lernen“. Das Prinzip ist bei allen Sets gleich: Ein Begriff muss erraten werden. Dazu gibt es 6 Rätselanweisungen, die den Spieler Schritt für Schritt näher an die Lösung bringen. Bei meiner Variante ist die Lösung auf der Rückseite mit einem Bild dargestellt. Bei den anderen Varianten ist das Lösungswort unter den Hinweisen in Spiegelschrift notiert. Mir gefällt die Variante mit der Lösung auf der Rückseite besser, denn so kann man das Spiel auch alleine spielen. 

Klappsätze

Vielleicht kennst du sie auch noch von früher: die lustigen Sätze, die durch Umklappen der einzelnen Wortgruppen entstehen können. Diese Klappbücher gibt es von verschiedenen Verlagen, du kannst sie dir aber auch ganz einfach selbst herstellen. Beim Lesen der vertauschten Wortgruppen entstehen die komischsten Sätze und genau das macht den Reiz aus: Dein Kind liest jeden Satzteil genau, weil das Quatschergebnis sonst nicht funktioniert. Hier findest du ein Beispiel, wie ich mit Schülern in der Weihnachtszeit ein Klappbuch erstellt habe.

Cat Crimes / Dog Crimes / Mariokart (ThinkFun)

Bei diesen drei Spielen von ThinkFun handelt es sich um Logicals, die mithilfe von Hinweiskarten und einem Spielplan gelöst werden müssen. Die Spieler lesen die Hinweissätze und platzieren die Figuren entsprechend auf dem Spielplan. Dazu ist es nötig, den Satz genau zu verstehen und (bei steigender Schwierigkeitsstufe) auch mit den anderen Aussagen logisch in Beziehung zu setzen, um die Lösung zu finden. Gar nicht so einfach!

Das Bild zeigt eine Auswahl von Lesespielen auf einem Tisch
Lesespiele zum Lesen von Sätzen

Lesespiele zum Texte lesen

Jetzt geht es nicht mehr um einzelne Sätze, sondern um längere Texte, die als Ganzes verstanden werden wollen. Dein Kind muss mehrere Informationen aufnehmen, sie miteinander verknüpfen und im Kopf behalten, während es weiterliest. Genau dieses sinnentnehmende Lesen ist anspruchsvoll und es macht viel mehr Freude, wenn am Ende nicht eine Verständnisfrage steht, sondern ein gelöster Fall oder ein gelungener Spielzug.

Häuptling Wackelnix (Ravensburger)

Bei diesem Spiel geht es eigentlich darum, eine Bewegung auszuführen, ohne dabei das Spiel-Ei wackeln zu lassen, denn sonst gibt es ein ganz fieses Lachen von sich. Damit man weiß, welche Bewegung man ausführen muss, ist die Auftragskarte einmal mit einem Bild und zusätzlich mit einem kleinen Text bzw. der genauen Anweisung versehen. Hier geht es also darum, genau zu lesen, zu verstehen und die Bewegung dann korrekt und vorsichtig auszuführen. Dabei merken die Mitspieler gar nicht, dass sie gerade das sinnentnehmende Lesen trainieren.

Das Krimihaus (Prolog)

Bei diesem Spiel geht es darum, den Täter zu finden und das Rätsel zu lösen. Dazu wird der Spielplan aus einzelnen Karten jedes Mal neu zusammengesetzt und ist so sehr variabel. Die Spieler erhalten anschließend schriftliche Hinweise, die andeuten, wo man die Lösung finden kann. Das entsprechende Bild gilt es dann zu interpretieren und eine sinnvolle Schlussfolgerung zu ziehen. Durch die Anzahl der Lesekarten, die man ins Spiel bringt, kann man die Spieldauer wunderbar regulieren und die Leseförderung sinnvoll in die Lerntherapieeinheit einbinden. 

Anleitungen lesen

Alle Arten von schriftlichen Anleitungen sind wunderbare Gelegenheiten, das Leseverständnis auf Textebene zu trainieren. Das können Bastelanleitungen sein, bei denen man Schritt für Schritt vorgehen muss, ein Kochrezept oder Anleitungen, die verraten, wie ein Zaubertrick durchgeführt wird. Ein Beispiel dazu findest du in meinem Blogartikel Blick in die Lerntherapie: Zaubern und Konfettiregen – wie Kinder spielerisch lernen und Selbstvertrauen gewinnen.

Story puzzle (KOSMOS)

Erst vor kurzem habe ich die Story Puzzles von KOSMOS entdeckt. Sie bestehen aus einem Textheft und einem Puzzle, mit deren Hilfe man ein Rätsel lösen muss. Bei manchen ist auch noch ein cooler Extragegenstand dabei, wie z.B. eine UV-Lampe oder ein Rubbelfeld, das ein Geheimnis freigibt. 

Das Spiel beginnt mit dem Lesen der Geschichte. Kommt man an eine bestimmte Stelle, wird man aufgefordert, das Puzzle zu legen. Dabei kann man schon eine ganze Menge entdecken: viele Kleinigkeiten, die beim späteren Lösen der Aufgaben hilfreich sein können. Im Anschluss liest man die Geschichte weiter, bekommt Fragen gestellt und löst so das Rätsel. 

Die Puzzles gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsstufen (Altersangaben) und zu unterschiedlichen Themen. Am besten hat mir bisher „Die Schule der magischen Tiere: Fürchterlich feierlich“ gefallen, weil es da so viel zu entdecken gibt und man Schritt für Schritt zur Lösung des Falls geleitet wird. 

Das Bild zeigt eine Auswahl von Lesespielen auf einem Tisch
Lesespiele zum Lesen von Texten

Das richtige Lesespiel finden

Die dargestellten Spiele stellen nur einen Teil meiner Sammlung dar. Ich habe also einen großen Fundus, um das richtige Lesespiel für jeden Schüler zu finden. Du brauchst natürlich nicht all diese Spiele, um dein Kind beim Lesen zu unterstützen. Oft reicht ein einziges, das gut zur aktuellen Stufe passt und das ihr beide gerne spielt. Aus „Du musst noch lesen üben“ wird dann „Komm, wir spielen eine Runde“ und so gelingt das Üben ohne Frust und mit viel mehr Spaß.

Wenn dein Kind Schwierigkeiten beim Lesen hat und du dir unsicher bist, auf welcher Stufe es gerade steht, melde dich gern bei mir für eine pädagogische Diagnostik. Dann schauen wir gemeinsam genau hin, was dein Kind schon kann und wo du mit dem Üben den richtigen Einstieg findest.

Vielleicht schaust du ab jetzt auch mit einem anderen Blick auf euer Spieleregal. Denn wie „Häuptling Wackelnix“ zeigt, steckt in vielen ganz normalen Spielen längst Leseförderung – man muss sie nur entdecken.

Veröffentlicht unter Lese-Rechtschreibschwäche, Lesen

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