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Was soll ich mit meinem Kind mit LRS oder Rechenschwäche üben?

Sabine Landua in ihrer Lerntehrapiepraxis zeigt auf den Text: Häufige Fragen: Was soll ich mit meinem Kind am besten üben?

Zuletzt bearbeitet am 13. März 2026

„Was soll ich mit meinem Kind eigentlich üben?“ „Wie können wir die Zeit bis zu einer Lerntherapie sinnvoll überbrücken?“ Diese Fragen höre ich in Beratungsgesprächen sehr oft und sie sind gar nicht so einfach zu beantworten, denn Üben bei LRS oder Rechenschwäche kann dann eine große Herausforderung sein – vor allem, wenn man nicht genau weiß, welche Übungen wirklich helfen. In diesem Artikel gebe ich dir einen Überblick, worauf es beim Üben zuhause bei LRS oder Rechenschwäche ankommt, wie du passende Übungen auswählst und was du besser lassen solltest, auch wenn es gut gemeint ist. 

Die Frage, ob dein Kind am schulischen Förderunterricht teilnehmen sollte, habe ich übrigens in einem eigenen Artikel beantwortet.

Üben bei LRS oder Rechenschwäche – auf einen Blick

Gezielt statt viel üben: Kinder mit LRS oder Rechenschwäche brauchen kein „mehr“, sondern passgenaue Förderung.
Lernstand klären: Bevor du übst, analysiere, wo dein Kind steht (z. B. durch Förderdiagnostik oder Fachgespräche).
geeignete Übungen: Entscheident ist ein systematischer Aufbau und klare Strukturen. Schulbuchmaterialien solltest du lieber meiden.
Kurze Einheiten5–10 Minuten täglich sind effektiver als lange, seltenere Übungsblöcke.
Professionelle Hilfe: Wenn Fortschritte ausbleiben oder Frust überwiegt, kann eine Lerntherapie mit individuellem Förderplan helfen.

Warum „einfach mehr üben“ oft nicht hilft

Wenn ein Kind Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat, kommt von der Schule oft der Hinweis, mehr zu üben. Erst mal klingt das logisch, denn Wiederholungen sind wichtig. Bei Kindern und Jugendlichen mit LRS oder Rechenschwäche ist das Üben aber nicht das Problem. Oft investieren sie mehr Zeit in schulische Inhalte als ihre Mitschüler. 

Eine meiner Schülerinnen mit LRS bekommt unter jede Arbeit die Rückmeldung, dass sie Doppelkonsonanten, Dehnung und die Großschreibung üben soll. Dass dies bei Schülern mit LRS nicht unbedingt hilfreich ist und „mehr üben“ nicht der Schlüssel zu besseren Leistungen ist, ist der Lehrkraft nicht bewusst. 

Kinder mit LRS oder Rechenschwäche scheitern in der Regel nicht daran, dass sie zu wenig geübt haben. Ihr Gehirn verarbeitet bestimmte Informationen anders und sie benötigen sinnvoll aufeinander aufbauende Strukturen, um besser zu werden. Das bedeutet, dass das Üben schulischer Inhalte, die gerade eben „dran“ sind, nicht hilft. Denn mehr vom Gleichen bringt wenig, wenn das Üben nicht genau dort ansetzt, wo die eigentliche Schwierigkeit liegt. Oft bewirkt das das Gegenteil, denn wenn der Schüler immer wieder an diesen Aufgaben scheitert, lernt er „Ich kann das nicht.“ und zieht irgendwann den Schluss „Ich bin zu dumm dafür.“ Dann leidet das Selbstwertgefühl massiv und es wird immer schwieriger, Fortschritte zu erzielen.

Es geht nicht um mehr Üben, sondern um gezieltes Üben – genau dort, wo dein Kind Unterstützung braucht.

Was du zuerst wissen musst: Wo steht dein Kind gerade?

Bevor du überlegst, was dein Kind üben soll, musst du wissen, wo dein Kind gerade steht – und das möglichst genau. 

Das klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis aber oft nicht. Viele Eltern greifen zu Übungsblättern oder Apps, die die Schule empfiehlt oder die speziell für „Kinder mit LRS“ entwickelt wurden, ohne zu wissen, ob sie zum aktuellen Lernstand ihres Kindes passen. Bei LRS könnte das bedeuten zu wissen, ob dein Kind auf der Ebene der Laut-Buchstaben-Zuordnung kämpft oder bereits weiter ist, aber bei bestimmten Rechtschreibmustern hängt. Welche Stufen beim Lesenlernen durchlaufen werden, findest du in meinem Blogartikel Wie geht Lesen lernen.

Falls du unsicher bist, wo dein Kind steht, ist eine Förderdiagnostik durch eine Lerntherapeutin oft der beste erste Schritt. Alternativ kann ein Gespräch mit einer Lehrkraft helfen, die sich mit LRS oder Rechenschwäche auskennt. Erst wenn klar ist, an welcher Stelle im Lern- und Entwicklungsprozess dein Kind gerade steht, lässt sich sinnvoll planen, was geübt werden soll.

Was gute Übungen ausmacht und warum die Material-Passung entscheidet

Aber woran erkennst du eigentlich, ob eine Übung gut für dein Kind ist? Es gibt ein paar Merkmale für gute Übungen, auf die du achten kannst.

  • Sie setzen genau dort an, wo das Kind gerade steht. 
  • Sie sind weder zu leicht noch zu schwer. 
  • Sie bauen systematisch aufeinander auf, statt zu springen (wie das bei Schulmaterialien häufig der Fall ist)
  • Und sie lassen Raum für Erfolgserlebnisse, denn diese sind ein wesentlicher Teil der Förderung.

Auch wenn man Materialien auf diese Punkte hin prüft, ist es nicht einfach, etwas Passendes zu finden, denn ein gutes Material hängt auch davon ab, was du konkret gerade erreichen möchtest und wie es zu deinem Kind und seiner Arbeitsweise passt. Ein didaktisch ausgefeiltes Arbeitsheft kann trotzdem das falsche sein, wenn es am Lernstand vorbeizielt oder dein Kind damit sofort auf Abstand geht, weil es „schon wieder ein Übungsheft“ ist.

Bevor du also neues Material kaufst oder einsetzt, helfen dir drei Fragen: 

  1. Was will ich konkret erreichen?
    (Automatisieren? Verstehen? Strategien aufbauen? Selbstvertrauen stärken?)
  2. Was braucht dieses Kind gerade wirklich?
    (Tempo rausnehmen? Struktur? Wiederholung? Erfolgserlebnisse?)
  3. Kann und möchte ich mit diesem Material so arbeiten, dass es lebendig wird?

Wenn du diese drei Fragen klar beantworten kannst, wird die Übungszeit automatisch zielgerichteter – ganz egal, ob du dafür ein Fachbuch aus dem Regal nimmst oder ein Würfelspiel spielst.

Was du bei LRS oder Rechenschwäche lieber vermeiden solltest

Es gibt einige Übungsformate, die gut gemeint sind, bei Kindern mit LRS oder Rechenschwäche aber oft wenig bringen oder sogar kontraproduktiv wirken. Schulbuchwiederholungen zum Beispiel folgen einem Aufbau, der für den Regelunterricht gedacht ist, aber nicht für Kinder geeignet ist, deren Schwierigkeiten im Bereich der Basiskompetenzen liegen. 

Lückentexte oder Arbeitsblätter ohne klare Strategie dahinter vermitteln deinem Kind das Gefühl von Beschäftigungstherapie, ohne dass wirklich etwas aufgebaut wird. Es entsteht kein tragfähiges Verständnis, weil der systematische Aufbau fehlt. Das ist leider sehr häufig bei Schulmaterialien der Fall. Meine Dozentin im Lerntherapie-Studium riet uns deshalb: „Machen Sie einen großen Bogen um die Materialien der Schulbuchverlage!“

Aber auch gut gemeintes, oft teures Fördermaterial kann ins Leere laufen, wenn es nicht zur aktuellen Schwierigkeit deines Kindes passt. Nicht die Marke oder der Preis entscheiden, sondern die Passung zum Kind und zum jeweiligen Ziel. 

Lernen geht auch ohne „Fördermaterial“

Damit dein Kind Fortschritte erzielen kann, ist nicht immer didaktisch aufbereitetes Material nötig. Viele Lernmomente entstehen im Alltag, wenn man sie erkennt und nutzt:

  • Einkaufszettel schreiben (Rechtschreibung, Wort-Bild-Zuordnung)
  • Rezepte lesen (Leseverständnis, Maßeinheiten)
  • Spaziergänge mit Buchstaben- oder Zahlensuche (Ideen dazu findest du bei Susanne Seyfried: Wie ein Lesespaziergang die Lust am Lesen weckt)

Mit ganz alltäglichen Dingen lassen sich so starke Lernmomente schaffen, die keinen zusätzlichen Druck erzeugen. Das Lernen geschieht quasi „nebenbei“. 

Dasselbe gilt für Gesellschaftsspiele. Kniffel zum Beispiel, ist eines meiner Lieblingsspiele. Gerade diese Woche habe ich es mit einem Schüler gespielt, der seine Lerntherapie jetzt abschließt. Beim Spielen trainiert er Multiplikation, Kopfrechnen, schriftliches Addieren und merkt es kaum, weil die Freude am Spiel im Vordergrund steht. Warum Gesellschaftsspiele so wichtig für das Rechnenlernen sind, kannst du in meinem Artikel DAS passiert, wenn du mit deinem Kind keine Gesellschaftsspiele spielst: das Rechnenlernen leidet nachlesen.

Das Ziel ist nicht, aus jedem Alltagsmoment eine Lernstunde zu machen. Aber es lohnt sich, den Blick zu weiten: Nicht alles, was wirkt, kommt aus dem Fachhandel. Manchmal entsteht der beste Lernmoment ganz ohne Absicht – einfach weil es Spaß macht.

Wenn du Ideen suchst, wie du mit einfachen Mitteln Lesen, Schreiben und Rechnen im Alltag begleiten kannst, habe ich in meinem PDF 50+ Alltagsideen viele konkrete Impulse zusammengestellt.

Button zum Download 50+ Alltagsideen

Die Rolle von Regelmäßigkeit und dem richtigen Rahmen beim Üben zuhause

Wie oft sollte geübt werden? Wie lange? Und wie viel Unterstützung ist hilfreich? Wie vermeide ich Druck?

Als grobe Orientierung gilt: Kurze, regelmäßige Übungseinheiten wirken besser als seltene, lange. Fünf bis zehn Minuten täglich oder an den meisten Tagen sind wirkungsvoller als eine Stunde am Wochenende. Dabei ist es wichtig, dass das Üben in einer ruhigen Atmosphäre stattfindet und zeitlich klar begrenzt ist. Wir entscheiden, was wir üben wollen, stellen den Timer und wenn der abgelaufen ist, ist auch wirklich Schluss – das gibt deinem Kind Sicherheit und dir als Elternteil eine klare Grenze. Meine 5 besten Tipps für entspanntes Üben kannst du in diesem Blogartikel nachlesen.

Eltern sind in beim Üben in einer schwierigen Rolle: Sie wollen helfen, sind aber gleichzeitig auch emotional beteiligt. Die Rollen „Mama“ oder „Papa“ und „Lernbegleiter“ lassen sich nicht trennen und das ist völlig menschlich. Manchmal bedeutet das aber auch, dass das Üben zuhause schnell aufgeladen wird – mit Ungeduld auf beiden Seiten, die gar nicht böse gemeint ist, aber dann zu Stress und Tränen führen kann. Falls ihr merkt, dass die gemeinsame Übungszeit regelmäßig in Stress endet, ist das kein Zeichen, dass ihr es falsch macht. Es ist ein Hinweis, dass ein anderer Rahmen vielleicht besser passt.

Wenn Eltern beim Üben an ihre Grenzen stoßen

Eltern können viel tun. Sie kennen ihr Kind am besten, sie sind täglich präsent und ihre Begleitung ist durch nichts zu ersetzen. Aber trotzdem gilt ganz klar: Die gezielte Förderung bei LRS oder Rechenschwäche ist eine fachliche Aufgabe, die über das hinausgeht, was Eltern leisten können und auch leisten sollten. In einer Lerntherapie bekommt dein Kind eine Förderung, die genau auf seinen Lernstand abgestimmt ist – mit einem individuellen Förderplan, systematischem Aufbau und Raum für die persönliche Entwicklung. Du als Elternteil kannst auch hier sinnvoll unterstützen, bekommst aber eine Anleitung, was genau du üben kannst. Du kannst dich wieder mehr auf deine Rolle als „Mama“ oder „Papa“ besinnen und den Schwerpunkt auf das Erleben schöner Momente mit deinem Kind legen.

Manchmal gibt es keine sofortige Lösung, zum Beispiel, wenn Lerntherapieplätze fehlen. Dann ist es nötig, die Zeit sinnvoll zu überbrücken. Wenn du merkst, dass du nicht weißt, wo du anfangen sollst, wenn dein Kind trotz Mühe keine Fortschritte macht, dann lass dich von einer Lerntherapeutin beraten, wie ihr die Wartezeit sinnvoll nutzen könnt.

Auf meiner Seite findest du viele Ideen und eine Übersicht über meine Angebote. Stöbere gerne ein wenig und abonniere meinen Newsletter für regelmäßige Informationen aus meiner Lerntherapie.

Sabine Landua mit Kaffeetasse in einem kreisrunden Bildausschnitt

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Veröffentlicht unter Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche

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