Erfolge in der Lerntherapie sichtbar zu machen, kann einen großen Unterschied für die Motivation, das Selbstvertrauen und die Freude am Lernen von Kindern mit LRS oder Rechenschwäche machen. Oft nehmen Kinder und Jugendliche vor allem das wahr, was ihnen schwerfällt, während Fortschritte im Alltag leicht übersehen werden. Kleine Rituale und praktische Tools helfen, den Fokus bewusst auf positive Erlebnisse und Lernerfolge zu lenken. Meine 3 Lieblingsstrategien stelle ich dir in diesem Artikel vor.
Warum es wichtig ist, Erfolge in der Lerntherapie sichtbar zu machen
Kinder mit Lernschwierigkeiten oder LRS neigen häufig dazu, sich auf das zu konzentrieren, was nicht gelingt. Genau hier setzt die Positive Psychologie an: Sie rückt Stärken, Ressourcen und positive Erfahrungen ins Zentrum. Anstatt nur Defizite zu betrachten, werden kleine Fortschritte, gelungene Momente und persönliche Stärken sichtbar gemacht. Indem wir den Fokus auf Gelungenes lenken, trainieren wir unser Gehirn darauf, Erfolge aktiv wahrzunehmen. Diese bewusste Wahrnehmung von Erfolgen wirkt sich dann positiv auf unsere Motivation und unser Selbstwertgefühl aus.
Je mehr Schüler den Blick auf bereits erlebte Erfolge richten, desto größer wird ihre Selbstwirksamkeitserwartung. Sie gehen also zukünftig davon aus, dass sie auftretende Hindernisse überwinden können. Carol Dweck nennt dies „Growth Mindset“, also Wachstumsdenken, das besonders für das Lernen entscheidend ist. Kinder mit einem Growth Mindset glauben daran, dass ihre Fähigkeiten durch Anstrengung, Übung und die richtige Strategie wachsen können. Fehler werden nicht als Rückschlag, sondern als Lernchance verstanden. Diese Haltung fördert Durchhaltevermögen, Neugier und die Freude am Lernen.
Wenn du mehr über Growth Mindset und seine Bedeutung für Kinder und Jugendliche erfahren möchtest, findest du hier meinen Blogartikel: Was ist Growth Mindset und warum ist Wachstumsdenken wichtig?.
In der Lerntherapie können wir diese Konzepte gezielt umsetzen und zwar durch kleine, praktische Rituale, die Erfolge sichtbar machen. Genau hier setzen Tools wie das Konfettiglas, die Sternstunden oder die Erfolgsliste an: Sie helfen Kindern, ihre Fortschritte bewusst wahrzunehmen, den Blick auf Positives zu lenken und ihr Selbstvertrauen Stück für Stück zu stärken.
Kleine Erfolgs-Tools in der Lerntherapie
Das Konfettiglas – kleine Erfolge bunt und sichtbar machen
Im Lerntherapeutennetzwerk hatten wir uns vor Kurzem zum Thema „Rituale in der Lerntherapie“ ausgetauscht. Mitgenommen habe ich mir die Idee des „Konfettiglases“ in dem immer zu Beginn einer Lerntherapiestunde „Konfettis der Woche“ gesammelt werden. Damit möchte ich meine Schüler (die oft nur das Negative sehen bzw. das, was sie nicht können) dabei unterstützen, ihren Blick auf positive Erlebnisse und kleine Erfolge zu lenken.
Gemeinsam überlegen wir zu Beginn jeder Lerntherapiestunde, welche „Konfettis“ es in der letzten Woche gab. Jedes „Konfetti“ steht dabei für ein kleines Erfolgserlebnis, eine positive Überraschung oder einen Moment, in dem etwas besser gelaufen ist als erwartet. Vielleicht war es ein gelöstes Matheproblem, ein mutiger Satz im Unterricht oder sogar nur das Gefühl: „Heute habe ich durchgehalten, obwohl es schwer war.“ Die Schüler schreiben ihre „Konfettis“ dann auf kleine bunte Zettel – bei Bedarf unterstütze ich auch gerne dabei, indem ich Wörter vorschreibe. Auch ich darf Konfettis ergänzen. Wenn ich z.B. sehe, dass eine Übung in der Stunde ganz wunderbar geklappt hat und der Schüler nun etwas verstanden hat, was er vorher schwierig fand, schreibe ich das ebenfalls auf einen kleinen bunten Zettel. So füllen sich langsam die Gläser mit vielen schönen Gedanken, Erlebnissen und Fortschritten, die sonst oft nicht so sichtbar sind.
Vielleicht magst du es auch einmal ausprobieren: Du brauchst ein Glas mit Deckel, kleine bunte Zettel und Stifte und dann sammle für dich oder gemeinsam mit deinem Kind Konfettis. Du wirst überrascht sein, wie schnell sich das Glas füllt, wie gut es tut, diese Momente bewusst wahrzunehmen und wie schön es ist, später nochmal alle Zettel zu lesen und sich zu freuen.
Meine Sternstunden – strahlende Momente am Ende jeder Stunde
Die Idee der Sternstunden habe ich aus meiner Lerncoaching-Ausbildung bei Hanna Hardeland übernommen. Zum Abschluss einer Lerntherapiestunde suchen wir die „Sternstunden“ des Tages. Was ist dem Schüler heute sehr gut gelungen? Wo konnte er „glänzen“ und zeigen, was in ihm steckt?
Das können emotionale Erfolge sein, „Ich habe heute einem Mitschüler geholfen“, soziale Erfolge in der Schule, „Ich habe mich heute in Mathe gemeldet“, ein Test, in dem das Kind alle Aufgaben geschafft hat oder auch ein Erfolgserlebnis zu Hause: „Ich habe heute schon alle Hausaufgaben erledigt“. Ein Stern kann auch für einen Erfolg in der Lerntherapiestunde stehen, wenn z.B. eine Übung sehr gut geklappt hat , das Lesen besser ging als in der Woche davor oder auch: „Ich habe heute eine schwierige Rechenaufgabe in kleinen Schritten alleine gelöst.“ Die Sternstunden bilden damit nicht nur schulische Leistungen ab, sondern ermöglichen einen ganzheitlichen Blick.
In der Lerntherapie tragen meine Schüler diese Sternstunden in ihr Sternstundenblatt ein. So werden die kleinen Erfolgsmomente des Tages sichtbar und das Kind oder der Jugendliche lernt, die kleinen positiven Momente des Tages wahrzunehmen. Manchmal fällt es Schülern schwer, ihre „Sternstunden“ zu finden. Da helfen die gemeinsame Reflexion und das gemeinsame Formulieren. Mit zunehmender Übung gelingt das dann immer besser.
Auch Eltern können das Sternstunden-Ritual in den Alltag mit einbeziehen. Statt „Wie war es heute in der Schule?“ (worauf die Antwort meist „gut“ ist), frage doch das nächste Mal: „Was war heute deine Sternstunde?“. Eine andere schöne Möglichkeit ist es, das Sternstundenblatt gemeinsam zu betrachten und die beschriebenen Erfolge zu würdigen.
Die Sternstunden sind mehr als nur eine schöne Tradition. Sie sind ein mächtiges Werkzeug für unser Gehirn. Jeder eingetragene Stern aktiviert das Belohnungssystem und stärkt die neuronale Verknüpfung: „Ich kann das!“

Die Erfolgsliste – kleine Schritte dokumentieren und sichtbar wachsen
Die Erfolgsliste ist ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles Werkzeug, um den Blick von Fehlern und Schwierigkeiten auf Fortschritte und positive Entwicklung zu lenken. Während die Sternstunden eher tagesaktuell wirken und sofortige Erfolge sichtbar machen, dokumentiert die Erfolgsliste konkrete Lernfortschritte über einen längeren Zeitraum. So sehen Kinder nicht nur, was ihnen heute gut gelungen ist, sondern auch, wie viel sie insgesamt schon erreicht haben. Jede Verbesserung, jeder Fortschritt wird so zu einem greifbaren „Erfolg“, der motiviert und Selbstvertrauen aufbaut.
In der Lerntherapie nutze ich die Erfolgsliste, um konkrete Lernziele zu dokumentieren und kleine, messbare Erfolge sichtbar zu machen. Das können beispielsweise Fortschritte beim Lesen, das sichere Zerlegen von Zahlen oder das Lösen von Rechenaufgaben sein. Kinder lernen dadurch, dass Anstrengung sich lohnt, dass Übung Fortschritte bringt und dass kleine Erfolge genauso wertvoll sind wie große.
Mehr zur Erfolgsliste findest du in meinem Blogbeitrag Erfolge feiern statt Fehler zählen – die Erfolgsliste in der Lerntherapie.
Fazit – Sichtbare Erfolge schaffen Motivation und Zuversicht
Kleine Erfolge bewusst wahrzunehmen, sichtbar zu machen und zu feiern, verändert das Lernen nachhaltig. Meine 3 Lieblingstools, das Konfettiglas, die Sternstunden und die Erfolgsliste, unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, ihre Fortschritte zu erkennen, ein Growth Mindset zu entwickeln und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken.
Vielleicht magst du es auch einmal ausprobieren? Dann freue ich mich auf deine Rückmeldung in den Kommentaren.
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Liebe Sabine,
ich möchte deinen Newsletter abonnieren. Mein Sohn ist seit September in der 1. Klasse und hat das Lernen bisher gut gemeistert. Allerdings sind wir von den vielen Hausaufgaben ziemlich überwältigt. Meinem Sohn machen die Hausaufgaben keinen Spaß, immer nur Arbeitsblätter. Ich hatte gedacht, dass der Einstieg in die 1. Klasse leichter und spielerischer abläuft.
Das Konfettiglas ist eine tolle Idee, um ihn zu motivieren! Vielen Dank für den Tipp.
Herzliche Grüße,
Katrin
Liebe Katrin,
ich freue mich, dass du das Konfettiglas mit deinem Sohn ausprobieren willst. Berichte gerne darüber, wie es ihm gefällt!
Liebe Grüße
Sabine
Das sind so schöne Ideen und ich überlege, ob ich davon was für meine Nachilfeschüler:innen übernehme. Bei aller Lernbegeisterung vergesse ich manchmal dieses Innehalten und das bewusste Würdigen der Konfettimomente.
Danke!
Ich freue mich, dass du neue Ideen bekommen hast! Es lohnt sich immer, inne zu halten und Erfolge zu feiern. Vor allem, wenn sich die Erfolge nicht in Schulnoten zeigen, ist es umso wichtiger darauf aufmerksam zu machen und sie zu feiern!
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