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Was Lerntherapie nicht ist – und was sie wirklich bewirkt

Sabine Landua in ihrer Lerntherapiepraxis, Text: Was Lerntherapie nicht ist: Lerntherapie ist keine Dauerbegleitung

Zuletzt bearbeitet am 1. März 2026

Wenn Eltern mit ihrem Kind zur Lerntherapie kommen, bringen sie viele Hoffnungen mit und oft genauso viele Fragen. Manche wünschen sich, dass nach einiger Zeit alles „wie von selbst“ läuft: Lesen klappt, Rechtschreibung sitzt, Mathe ist kein tägliches Drama mehr. Andere Fragen beziehen sich auf die Dauer und ob Lerntherapie nun ein fester Begleiter bis zum Schulabschluss wird, damit ihr Kind sicher durch die Schulzeit kommt.

Diese Gedanken sind absolut verständlich. Denn wenn das eigene Kind leidet, wünscht man sich vor allem eines: eine verlässliche und wirksame Unterstützung. Genau das kann Lerntherapie leisten. Aber sie ist weder ein Schnellprogramm für bessere Noten noch eine dauerhafte Begleitung durch die gesamte Schulzeit.

Welche typischen Irrtümer es gibt und wobei Lerntherapie wirklich unterstützen kann, findest du im folgenden Blogartikel.

Auf einen Blick

✔️ Lerntherapie baut fehlende Basiskompetenzen gezielt auf.
✔️ Sie stärkt beim Schüler Selbstvertrauen und emotionale Stabilität.
✔️ Lerntherapie wirkt nachhaltig statt kurzfristig.
✔️ Sie ist aber keine Nachhilfe und keine Stoffbegleitung.
✔️ Lerntherapie ist immer zeitlich begrenzt.
✔️ Sie endet mit der wachsenden Selbstständigkeit des Schülers.

Was Lerntherapie NICHT ist – typische Irrtümer

 Lerntherapie ist kein Sicherheitsnetz für die gesamte Schulzeit

Viele Schüler erzählen mir, dass sie schon seit Jahren zur Nachhilfe gehen. Sie brauchen die zusätzlichen Erklärungen und die Übungen und haben trotzdem das Gefühl, ohne Unterstützung nicht zurechtzukommen. Oft geht es dabei weniger um den aktuellen Schulstoff als um Sicherheit: Da ist jemand, der mich auffängt, mir etwas erklärt, für mich mitdenkt. Auch Lerntherapie bietet diese Sicherheit. Doch soll dieses Sicherheitsnetz keine Dauerlösung sein. 

Wenn ein Kind große Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat, fühlt sich das für viele Familien an wie ein Fluss, der plötzlich im Weg steht. Man weiß, wo man hinwill, sieht das andere Ufer, aber man kommt nicht hinüber. Lerntherapie kann in dieser Situation eine Brücke sein. Wir bauen sie Schritt für Schritt auf und begleiten das Kind sicher ans andere Ufer.

Bleibt das Kind allerdings auf der Brücke stehen oder richtet es sich dort gemütlich ein, verliert die Brücke ihren eigentlichen Sinn. Das Kind gewöhnt sich daran, dass jemand mitdenkt, strukturiert und absichert. Es entsteht eine Dauerabhängigkeit, die verhindert, dass Strategien eigenständig erprobt werden. Das Kind lernt so: „Ich schaffe es nur mit Hilfe!“ 

In der Lerntherapie begleite ich daher so lange, wie es nötig ist, gleichzeitig aber auch nur so kurz wie möglich. Ziel ist es, den Schüler dabei zu unterstützen, Selbstvertrauen und Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen. Das Kind soll die Erfahrung machen, dass es etwas selbst kann, weil es Strategien gelernt hat und mit diesen gut zurechtkommt. 

 Lerntherapie ist kein Turbo-Programm für schnelle Notenverbesserung

Lerntherapie ist keine Stoffbegleitung, d.h. wir arbeiten in der Regel nicht an den Themen, die in der Schule gerade anstehen. Das ist eher der Bereich der Nachhilfe (zum Unterschied zwischen Nachhilfe und Lerntherapie kannst du hier weiterlesen).

In der Lerntherapie schaffen wir die Grundlage für nachhaltiges Lernen: Fehlende Basiskompetenzen werden systematisch aufgebaut, damit schulisches Lernen darauf aufbauen kann. Du kannst dir das wie bei einem Haus vorstellen. Die Themen der Nachhilfe sind im Dach angesiedelt. Es geht um die schulischen Themen, bei denen dein Kind gerade Schwierigkeiten hat. In der Lerntherapie bauen wir dagegen das Fundament des Hauses, damit schulisches Lernen darauf aufgebaut werden kann. 

Diese Entwicklung braucht Zeit, meist 1-2 Jahre, je nach Ausgangslage. Bis sich die Ergebnisse der Förderung in Schulnoten zeigen, vergeht daher ebenfalls eine längere Zeit. Verbesserungen zeigen sich häufig zunächst in größerer Sicherheit, weniger Frust und wachsendem Zutrauen, bevor sie sich schlussendlich auch in den Noten widerspiegeln. Lerntherapie wirkt langfristig.

 Lerntherapie ist kein Ersatz für Eigenverantwortung

Lerntherapie ist ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige. Fortschritte entstehen dann, wenn Kind, Elternhaus, Schule und Therapie zusammenwirken. Lerntherapie, Schule und Elternhaus sorgen dafür, dass die Rahmenbedingungen entstehen, die es dem Kind oder Jugendlichen ermöglichen, gute Fortschritte zu machen.

Nicht weniger wichtig ist aber der Anteil, den der Schüler selbst leistet. Das beinhaltet sowohl die Mitarbeit als auch anzuerkennen, dass der Transfer in den Alltag nur gelingen kann, wenn das Kind oder der Jugendliche dafür selbstbewusst die Verantwortung übernimmt. Strategien wirken nur, wenn sie im Alltag auch angewendet werden. Dazu hier ein Beispiel aus meiner Praxis:

Mit einer Schülerin habe ich lange an der Großschreibung gearbeitet. Sie kannte alle Regeln und konnte sie in Übungen auch richtig anwenden. Der Transfer ins Schreiben blieb aber aus. In der nächsten freien Schreibprobe hatte sie wieder 40 Fehler im Bereich der Groß- und Kleinschreibung. Im Gespräch mit den Eltern vereinbarten wir, die Lerntherapie zu den nächsten Ferien zu beenden, da alle anderen Förderbereiche gut abgeschlossen werden konnten. Uns blieben noch eineinhalb Monate, um die Regeln der Großschreibung nochmals zu wiederholen und beim Schreiben zu üben. Und auf einmal kam die Wende: Die Schülerin machte nur noch wenige Fehler, weil sie beim Schreiben besser darauf achtete bzw. im Anschluss ihren Text noch einmal überarbeitete (was sie vorher ziemlich doof fand). Das absehbare Ende der Lerntherapie machte die eigene Verantwortung für sie greifbar. 

 Lerntherapie ist keine Reparaturmaßnahme

Immer wieder stellt sich die Frage, wann eine Lerntherapie eigentlich endet. Viele Eltern hätten gerne, dass die Lerntherapie so lange fortgesetzt wird, bis keine Schwierigkeiten mehr bestehen. Lerntherapie führt aber nicht zu einem „reparierten Kind“. Vielmehr schaffen wir in der Lerntherapie die Basis, damit das Kind oder der Jugendliche in Zukunft wieder alleine weiterlernen kann. Das heißt nicht, dass danach keine Übung mehr nötig ist. Eventuell ist auch weitere Unterstützung beim Verständnis schulischer Themen nötig, das kann dann aber eine gute Nachhilfe leisten. 

Lerntherapie ist keine Dauer-Begleitung, sondern endet, wenn eine bestimmte Entwicklung erreicht ist:

  • Die Förderschwerpunkte wurden ausreichend bearbeitet, so dass eine stabile Basis entstanden ist.
  • Das Kind oder der Jugendliche arbeitet zunehmend selbstständig und wendet gelernte Strategien eigenständig an.
  • Fehler führen nicht mehr zum emotionalen Zusammenbruch.
  • Der Schüler weiß um die eigenen Fähigkeiten und hat ein stabiles Selbstwertgefühl aufgebaut. 

Ist das der Fall, kann die Lerntherapie guten Gewissens enden und der Schüler zukünftig alleine weiterarbeiten.

Was Lerntherapie STATTDESSEN ist

Lerntherapie ist eine gezielte fachliche und emotionale Unterstützung in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie ist angezeigt, 

  • wenn trotz Übens keine Fortschritte erzielt werden können.
  • wenn das Kind oder der Jugendliche ein negatives Selbstbild entwickelt hat („Mathe kann ich nicht. Ich bin dumm.“).
  • wenn die familiäre Belastung hoch ist und das Kind oder der Jugendliche unter seinen Lernschwierigkeiten leidet.

Am Beginn steht diagnostische Klarheit. In der Lerntherapie benennen wir den aktuellen Leistungsstand und stellen die Förderschwerpunkte fest. Anschließend bauen wir gezielt die fehlenden Basiskompetenzen nach einem individuellen Förderplan auf. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die emotionale Stabilisierung bzw. einen Weg zu finden, mit den Schwierigkeiten umzugehen. Kinder lernen, mit Fehlern umzugehen und sich selbst wieder etwas zuzutrauen.

Lerntherapie ist eine ziemlich intensive Entwicklungsphase. Sie ist eine zeitlich begrenzte Hilfe zur Selbsthilfe. Ich wünsche mir, dass Kinder bzw. Jugendliche und ihre Familien diese Zeit bestmöglich nutzen, selbst aktiv werden, empfohlene Übungen umsetzen und so selbst ihren eigenen Beitrag leisten, damit die Lerntherapie schlussendlich überflüssig wird.

Veröffentlicht unter Lerntherapie allgemein

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