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Nachhaltigkeit neu denken: Lerntherapie baut Ressourcen auf, die ein Leben lang tragen

Zuletzt bearbeitet am 17. Mai 2026

Beim Thema Nachhaltigkeit denken wir zuerst an Umweltthemen, an erneuerbare Energien, Müllvermeidung und Mehrwegbecher, aber selten an Lernen. So ging es mir auch, als ich im Newsletter von Steffi Pingel den Aufruf las: Sie sucht kleine nachhaltige Unternehmen und besondere Projekte, also Ideen, die die Welt vielleicht nicht komplett verändern, aber ein kleines Stück besser machen.

Und sofort dachte ich darüber nach, dass Lerntherapie eigentlich sehr nachhaltig ist. Lerntherapie ist sogar eine der nachhaltigsten Investitionen, die Eltern für ihr Kind mit LRS oder Rechenschwäche treffen können.

Nachhaltige Lerntherapie – auf einen Blick

✔️Nachhaltigkeit ist ein Ressourcenthema – und genau das macht Lerntherapie nachhaltig.✔️Nachhaltige Lerntherapie schließt Lücken im Grundverständnis, statt nur Symptome zu behandeln.✔️Sie stärkt die Selbstwirksamkeit: Kinder erleben, dass sie vorankommen und entwickeln den Glauben, Herausforderungen meistern zu können.✔️Sie gibt Strategien an die Hand, Werkzeuge, die auch ohne Unterstützung von außen funktionieren.✔️Lerntherapie wirkt nachhaltig, wenn Kind, Eltern, Therapeutin und Schule an einem Strang ziehen.✔️Wiederkommen ist kein Scheitern – neue Entwicklungsstufen bringen neue Anforderungen mit sich.

Was hat Lerntherapie mit Nachhaltigkeit zu tun?

Eigentlich dreht sich beides um dieselbe Frage, denn Nachhaltigkeit ist ein Ressourcenthema und Lerntherapie schafft eine stabile Basis für das Weiterlernen. Heute ist der Begriff Nachhaltigkeit im ökologischen Bereich sehr präsent und meint damit das Prinzip, dass wir nicht mehr verbrauchen dürfen, als wieder nachwachsen kann, also nicht über unsere Verhältnisse leben.

Nachhaltig bedeutet aber auch, dass eine Wirkung über längere Zeit anhält. Auf das Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung übertragen bedeutet das, dass keine Abhängigkeit entstehen soll, sondern Kinder und Jugendliche Ressourcen aufbauen, die sie in ihrem Leben brauchen werden.

Lerntherapie unterstützt Schüler mit LRS und Rechenschwäche nicht nur dabei, eine fachlich sichere Basis aufzubauen. Sie fördert außerdem die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls und die Stärkung der Persönlichkeit, damit sie nicht nur besser lesen oder rechnen, sondern sich selbst als jemanden erleben, der Herausforderungen meistern kann. Lerntherapie ist dann am nachhaltigsten, wenn sie sich selbst überflüssig macht.

Welche Ressourcen baut Lerntherapie nachhaltig auf?

Aus einer guten Lerntherapie nehmen Kinder und Jugendliche drei wesentliche Dinge mit: tiefes Verständnis, echte Selbstwirksamkeit und übertragbare Strategien.

Verständnis, das trägt – nicht Wissen, das verpufft

Viele meiner Schüler mit LRS oder Rechenschwäche haben bereits über längere Zeit eine Nachhilfeeinrichtung besucht, bevor sie zu mir in die Lerntherapie kommen. Eltern und Kinder haben dabei festgestellt, dass die Nachhilfe, also das Üben am Schulstoff, sie nicht weiterbringt. Denn oft liegen die Schwierigkeiten nicht dort, sondern in fehlenden Basiskompetenzen, z.B. in der Zahlvorstellung oder in der Laut-Buchstaben-Zuordnung. 

In der Lerntherapie decken wir diese Lücken im Grundverständnis auf und füllen sie Schritt für Schritt auf. So entsteht ein stabiles Fundament. Werden stattdessen nur die sichtbaren Symptome behandelt, z.B. Probleme bei der Bruchrechnung, verpufft das Ganze, wenn noch kein sicheres Verständnis für die Division vorhanden ist. Ich erkläre das meinen Schülern immer mit dem Bild des Hauses: Solange das Fundament nicht stabil aufgebaut ist, können wir nicht am Dach arbeiten, es wird zwangsläufig einstürzen.

Selbstwirksamkeit: Der Glaube daran, es schaffen zu können

Die stärkste Ressource, mit der wir Kinder und Jugendliche unterstützen können, ist das Gefühl, durch eigenes Handeln etwas selbst schaffen zu können. Schüler mit LRS oder Rechenschwäche erleben im Schulalltag häufig, dass das, was sie leisten können, nicht ausreicht. Wer das Woche für Woche erlebt, zieht irgendwann eine Schlussfolgerung und die lautet selten: „Ich brauche eine andere Methode.“ Sie lautet: „Ich kann das einfach nicht. Ich bin zu dumm.“ 

In der Lerntherapie arbeite ich mit meinen Schülern daran, dass sie Erfolge erleben können. Daher arbeiten wir immer an der Null-Fehler-Grenze. Erst wenn ein Bereich sicher ist, gehen wir den nächsten Schritt. Durch die Dokumentation der Fortschritte erfahren Kinder und Jugendliche so, dass sie vorankommen. Was vor kurzem noch schwer war, ist auf einmal leicht und so steigt die Zuversicht, sich auch neuen Herausforderungen stellen und diese bewältigen zu können. Aus „Ich kann das nicht.“ wird dann ein „Ich kann das noch nicht, aber ich kann es lernen.“

Das wirkt weit über die Lerntherapie hinaus. Kinder, die erlebt haben, dass sie Schwieriges bewältigen können, sind besser gewappnet – für den nächsten schweren Stoff in der Schule, für Rückschläge im Alltag, für das Leben überhaupt. Selbstwirksamkeit ist nicht nur ein schönes Gefühl, sie ist tatsächlich ein echter Schutzfaktor. Studien (z.B. die BELLA-Studie) zeigen, dass Kinder, die sich als handlungsfähig erleben, seltener psychische Belastungen entwickeln – weniger Angststörungen, weniger depressive Verstimmungen, mehr Resilienz. Eine gute Lerntherapie ist deshalb nicht nur Förderung, sondern auch Prävention.

Strategien statt Stützräder

Strategien und Stützräder sind Hilfen, die bei der Bewältigung einer Situation unterstützen können. Der Unterschied liegt aber in der Nachhaltigkeit der Unterstützung. 

Ein Stützrad hilft, solange es montiert ist. Übertragen auf das Lernen bedeutet das: Die Hilfe funktioniert, solange jemand daneben steht. Das Kind kann z.B. eine Aufgabe lösen, solange jemand die Regel wiederholt und an die Einhaltung erinnert. Sobald die Unterstützung wegfällt, gelingt es dem Kind aber nicht mehr. Der Schüler verlässt sich auf Hilfen von außen, statt selbst die Verantwortung zu übernehmen. 

Eine Strategie hingegen ist ein inneres Werkzeug, welches das Kind selbst anwenden kann – in bekannten Situationen ohne Hilfe von außen und auch die Übertragung auf eine neue Situation gelingt. Zum Beispiel üben wir in der Lerntherapie das silbenweise Schreiben. Der Schüler hat gelernt, wie ein langes Wort in Silben zerlegt und so aufgeschrieben werden kann. Die Strategie ist zu einem inneren Sprechen geworden, das der Schüler auch bei Wörtern anwenden kann, die er noch nie gesehen hat.

Nachhaltige Lerntherapie gibt daher keine Antworten vor, sondern erarbeitet mit den Kindern und Jugendlichen Wege, selbst die richtige Lösung zu finden

Was verhindert, dass Lerntherapie nachhaltig wirkt?

Diese Frage lässt sich direkt beantworten: Wenn das Umfeld nicht mitzieht, kann auch gute Lerntherapie nicht nachhaltig wirken. 

Häufig ist es so, dass die Fortschritte in der Lerntherapie klein sind. Bis sich schulische Erfolge zeigen, vergeht oft mindestens ein Jahr. Wenn die Schule bis dahin nur das Defizit sieht und Eltern die Entwicklung nicht schnell genug geht, kann Lerntherapie nur wenig bewirken. Denn häufig wird dann die Lerntherapie frühzeitig beendet. Die kurze Therapiedauer und die fehlende Kontinuität verhindern so den Transfer der gelernten Strategien in den Alltag. 

Lerntherapie ist nur dann nachhaltig wirksam, wenn alle an einem Strang ziehen: das Kind, die Lerntherapeutin, die Eltern und die Schule. Im Lerntherapeutennetzwerk haben wir uns das Bild des „Erfolgstuhls“ erschaffen. Auf diesem kann man nur stabil sitzen, wenn alle Stuhlbeine tragen. Knickt ein Bein ab, wird es schwierig, sich auf der Sitzfläche zu halten. 

War die Lerntherapie nicht nachhaltig, wenn ein Kind nochmal wiederkommt?

Ich habe immer wieder Schüler, die z.B. in der Grundschule bei mir waren und dann in der 7. oder 8. Klasse nochmal wiederkommen. Dann heißt das nicht, dass die Lerntherapie nicht nachhaltig wirksam war. Vielmehr bringen neue Entwicklungsstufen auch neue Anforderungen mit sich. Bruchrechnen ist z.B. so eine Anforderung, die vielen Schülern mit einer Rechenschwäche nur schwer verständlich ist. Ihnen fehlt der Bezug zur Division bzw. die anschauliche Entwicklung der Bruchrechnung aus der Division heraus. Das ist dann z.B. ein Thema, das wir zu einem späteren Zeitpunkt in der Lerntherapie nochmal aufgreifen. 

Manchmal werden auf einmal auch andere Dinge bedeutsam. So kam eine Schülerin in der 8. Klasse noch einmal zu mir, weil sie jetzt unbedingt lernen wollte, die analoge Uhr in der Pausenhalle abzulesen und herauszufinden, wie lange ihre Pause noch geht. In der Grundschule war das für sie noch nicht so bedeutsam, jetzt aber wollte sie es unbedingt lernen. 

Es ist also kein Zeichen mangelnder Wirksamkeit, wenn Schüler zu einem späteren Zeitpunkt nochmal wiederkommen. Mehrere Begleitphasen können auch mehr Ressourcen aufbauen. 

Was bleibt, wenn Lerntherapie wirklich gewirkt hat

Nachhaltigkeit bedeutet, dass etwas Bestand hat – auch dann, wenn die äußere Unterstützung wegfällt. Genau das ist das Ziel guter Lerntherapie: ein tiefes Verständnis, das trägt. Eine Selbstwirksamkeit, die schützt. Strategien, die auch in neuen Situationen greifen.

Nachhaltigkeit ist außerdem ein Ressourcenthema. Und genau das baut Lerntherapie auf: Ressourcen, die ein Kind trägt – weit über die Therapie hinaus, weit über die Schulzeit hinaus. Das ist die nachhaltigste Investition, die Eltern für ihr Kind mit LRS oder Rechenschwäche treffen können.

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Veröffentlicht unter Lerntherapie allgemein

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